Alpsommer in Oberstaufen

Alpwirtschaft in Oberstaufen: Die Hälfte des Alpsommers ist seit dem 24. Juni 2022 vorbei

Alpsommer in Oberstaufen

am 24.07.2022 von Robin Corbach

Die Hälfte des Alpsommers 2022 ist bereits vorbei. Nach rund 100 Tagen kehrt das Vieh von den Alpwiesen zurück in Ihre Stallungen. Das wird groß gefeiert: Der Viehscheid in Oberstaufen findet am Freitag, 9. September 2022, sowie der Viehscheid Thalkirchdorf am Freitag, 16. September 2022.

Der Begriff Alpe bezeichnet Flächen in alpinen Regionen, die während der Sommermonate bewirtschaftet und vom Vieh beweidet werden. Alpen unterhalb von 1100 Höhenmetern werden als "Landalpen" bezeichnet. Oberhalb von 1400 Metern sind es die "Hochalpen". Dazwischen befinden sich die "Mittelalpen".

Die unterschiedlichen Höhenlagen wirken sich unter anderem auf die Dauer der Bewirtschaftung aus. Diese kann von 80 (Hochalpen) bis 120 (Landalpen) Weidetagen variieren.

Der Alpsommer beginnt je nach Witterung und Mondkalender im Mai/Juni mit dem Alpauftrieb. Dabei werden die ausgewählten Tiere von den umliegenden Höfen auf die Weideflächen geführt, um dort den Sommer zu verbringen, bevor sie dann beim berühmten Viehscheid (Oberstaufen: Freitag, 9. September 2022; Thalkirchdorf Freitag, 16. September 2022) Mitte September wieder ins Tal zurückkehren.

In Oberstaufen gibt es 166 Alpen mit einer bewirtschafteten Fläche von knapp 4.000 Hektar. Die Region wird als das größte zusammenhängende Alpgebiet in ganz Deutschland betitelt. Auf die Weiden kommen überwiegend Rinder, ausschließlich das Jung- und Milchvieh. Auf den Oberstaufener Alpen sind alljährlich knapp 6.000 Rinder unterwegs – ein Fünftel der allgäuweit insgesamt gezählten Tiere auf den Alpwiesen!

Neben dem typischen Allgäuer Braunvieh dürfen auch Schafe, Ziegen, Pferde und Schweine einen Sommer auf den Alpen verbringen. Was wie Urlaub klingt, dient allerdings eher zum Training der Tiere: ein Alpsommer stärkt die Muskulatur, das Herz-Kreislaufsystem, die Knochen und zu guter Letzt das Abwehrsystem.

Zudem kommt der Alpwirtschaft eine bedeutende Rolle in der Landschaftspflege zu: Durch die Bewirtschaftung der Steillagen bleiben die Kulturlandschaften und somit die Natur erhalten. So ist es weniger verwunderlich, dass die Alpweiden als DIE artenreichsten Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung angesehen werden. In dem Blumenmeer blühen zehnmal so viele Pflanzen wie im Tal. Dadurch fühlen sich auch die Murmeltiere, Gemsen, Raufußhühner und andere Wildtiere. so richtig wohl.

Und nicht zuletzt profitiert der Mensch. Ohne die Alpwirtschaft gäbe es keinen leckeren Alpkäse, keine frische "Gipfel-Milch" und keine so gut gepflegten Pfade beim Ausflug auf den Berg.

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Alpe oder Alm?

Kurz erklärt

Alm = im bayerischen Dialekt; Gebrauch in Oberbayern, Österreich ohne Vorarlberg und Südtirol

Alpe = im alemannischen Dialekt; Gebrauch in der Schweiz, im Allgäu und Vorarlberg und in den Walser-Gebieten

Ganz nebenbei: In den nördlichen Alpen wird neben Alp und Alm ebenso der Begriff „Berg“ verwendet.

Die Alp in den Bergen

Althergebrachte Regeln und Leitlinien für einen erfolgreichen Alpsommer

Leben auf der Alpe bzw. in der Landwirtschaft allgemein bedeutet ein Leben im Einklang mit der Natur und deren Gesetzen.

Es zeigt sich unter anderem, dass der Mond das Verhalten der Tiere mitbestimmt, ebenso Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen hat.

Mit Blick auf das Wetter, kommen darüber hinaus die sogenannten Bauernregeln zum Tragen. Dabei handelt es sich um kurze, für die einfachere Merkbarkeit und Übermittlung in Reimform gehaltene Weisheiten, die seit jeher meist mündlich weitergegeben werden.

Allgäuer Braunvieh in den Bergen bei Oberstaufen

Das Braunvieh

  • Rasse: Hausrind
  • Größe: 1,50 m Widerristhöhe
  • Gewicht: 650-700 kg
  • Fellfarbe: braun bis graubraun
  • Charakter: langlebig, robust, widerstands- und anpassungsfähig
  • Nutzung: zweiseitig = Milch & Fleisch
  • Herkunft: 2000 – 800 v. Chr. aus dem Osten als Torf- und Pfahlbaurind an den Alpenrandseen

Schon gewusst?

  • Die Stiere sind dunkler als die Kühe.
  • Das "Originale Braunvieh" war einst mittelgroß und hatte eine gute Muskulatur. Diese nahm mit der stärkeren Züchtung auf Milchproduktion ab und die Tiere wurden größer.
  • Das "Original Braunvieh" wurde 2016 zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres erklärt (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen)
  • Ab dem Alter von drei Jahren bekommen die Tiere durchschnittlich ein Kalb pro Jahr und produzieren von da an 5.000 – 8.000 Liter Milch pro „Laktation“ (= Jahr).
Wanderin mit Braunvieh

Gut zu wissen

Während des Alpsommers ist ein respektvoller Umgang mit dem Weidevieh gefragt. So können Mensch und Tier die Natur in Ruhe genießen.

Verhalten auf den Alpwiesen

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