Radhauben am Zaun

MIT KUNSTHANDWERKLICHEM GESCHICK, GEDULD UND VIEL LIEBE ZUM DETAIL WIRD DER TRADITIONELLE KOPFSCHMUCK DER GOLDRADHAUBE GEFERTIGT

Die Staufner Haubenmacherin

am 21.10.2021 von Katharina Klawitter

Die Oberstaufener Fest- und Sonntagstracht besticht durch ein besonders wertvolles Detail: die goldene Radhaube. Diese wird in mühsamer Handarbeit gefertigt und gilt als Unikat. Die Brauchtumspflege hat im gesamten Allgäu einen hohen Stellenwert.

„Eine Tracht soll kein Museumsstück sein, sondern lebendige Gegenwart darstellen.“ Die Oberstaufener Fest- und Sonntagstracht wird neben den Vereinen, wie der Blasmusik oder der Fahnensektion, auch von den Mitgliedern der Volkstanzgruppe Oberstaufen e.V. getragen – einem gemeinnützigen Verein, der sich der Erhaltung heimatlichen Volks- und Brauchtums verpflichtet hat.

Seit der Gründung im Jahre 1958 blicken die Mitglieder auf eine bewegte und ereignisreiche Vereinsgeschichte zurück. Ein besonderes Merkmal bei der Brauchtumspflege ist auch die Oberstaufener Tracht. Vor allem ein Detail ist bei der Tracht besonders wichtig: die goldene Radhaube. Was es damit auf sich hat und wie viele Stunden die Fertigung dieses einmaligen Schmuckstücks in Anspruch nimmt, erzählt uns Sonja Schädler, die Haubenmacherin aus Oberstaufen.

Im Gespräch mit der Oberstaufener Haubenmacherin für die einzigartige goldene Radhaube der Staufner Tracht

Liebe Sonja, wie kommt es, dass Du die „Haubenmacherin aus Oberstaufen“ genannt wirst?
Sonja Schädler: Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr Mitglied der Volkstanzgruppe Oberstaufen. Jede Frauentracht umfasst neben der Kleidung auch die goldbestickte Radhaube. Mit Übernahme des Zeugwartpostens im Jahr 2013 bekam ich auch die Kunst der Herstellung unsere Radhauben von meiner Vorgängerin übergeben und biete für unsere Mitglieder und Interessierte eigene Hauben-Stickkurse an. So wird die überlieferte Technik dieser mühevollen Handarbeit weitergegeben und bleibt als Kulturgut erhalten.

Beschreibe uns den goldenen Blickfang doch bitte etwas näher.
Sonja: Jede Radhaube misst etwa 30 Zentimeter im Durchmesser. Das stabilisierende Herzstück ist der Rahmen, der von einem Schmied gefertigt wird. Das Muster wird aus geklöppelter Goldspitze und Borte aus Golddraht zu einem Glanzstück verziert.

Und wie wird diese am Kopf der Frauen befestigt?
Sonja: Dank des sogenannten „Bödele“. Dieses besteht aus einem mit Goldbrokat überzogenen, gewölbten Karton und bildet die Basis vom Haubengestell. Es ist mit reliefartigen Ornamenten, Blumen oder anderen Motiven stilgerecht mit Pailletten in der „Bouillonstickerei“ ausgeschmückt. Am unteren Teil des Hinterkopfes verschwinden die Haare unter dem Bödele.

Klingt nach einer sehr filigranen und mühsamen Arbeit?
Sonja: Die Anfertigung dieser Einzelstücke nimmt schon einiges an Zeit in Anspruch. Etwa 200 Stunden benötigt eine Haubenmacherin. Die so liebevoll gefertigten Hauben sind in jeglicher Hinsicht unbezahlbar.

Wie Euer Vereinsname schon ankündigt, geht es bei Euch primär um das Tanzen.
Sonja: Das ist richtig! Bei unseren Auftritten führen wir die unterschiedlichen Volkstänze auf. Jeder Tanz hat einen Bezug zum damaligen Leben & Tun. So wird beim „Mühlradel“ – dem bekanntesten Volkstanz – der Ernteverlauf des Getreides bildhaft dargestellt. Das Klappern des Mühlrades ist dabei eindrucksvoll durch das Klopfen mit den Schuhsohlen auf dem Tanzboden hörbar. Beim „Bandltanz“ wird um die Bandlstange getanzt und die Kernfigur des Tanzes ist das unterschiedliche Flechten der Bänder zu verschiedenen Mustern. So gibt es auch noch den „Webertanz“, der die Geschichte des Allgäuer Flachanbaus vertanzt. Etwas moderner wird es dann schon beim „Flieger“, bei dem die Paare schnelle Rotationsbewegungen durchführen und die Tänzerinnen hierbei von den Tänzern zum Fliegen gebracht werden.

Was bedeutet die Volkstanzgruppe für Dich persönlich?
Sonja: Der Verein und die Tätigkeiten, die damit verbunden sind, sind mir extrem wichtig. Wir pflegen ein sehr gutes Vereinsleben. In „normalen Zeiten“ treffen wir uns regelmäßig, auch außerhalb der Proben und Auftrittstagen. Wir machen Vereinsausflüge, besuchen auch andere Volkstanzgruppen und tauschen uns mit diesen aus. Auch beim Marktfest Oberstaufen und den Verkaufsoffenen Sonntagen haben wir einen Stand und bessern so die Vereinskasse auf.

Wenn Sie mehr erfahren wollen, über die Besonderheiten der Staufner Tracht, die Kinder-Volkstanzgruppe und welcher Tanz Sonjas liebster ist - finden Sie das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe 03 des Oberstaufen MAGAZINs

Neben dem gesamten Interview mit der Haubenmacherin finden Sie darin zudem Rezept- und Touren-Tipps, aktuelle Infos aus Oberstaufen und einen besonderen Ausflugstipp in die Römerstadt Kempten.

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Die Oberstaufener Tracht & goldene Radhaube

©OTM GmbH

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