Heidi Biebl 2018 (c) Sieglinde Hankele - KWA

Wie ein hellblauer Pullover zu einer Goldmedaille und einem Kälbchen führte

Oberstaufens Skistar erinnert sich an größten Triumph vor 60 Jahren

am 19.02.2020 von Katharina Klawitter

Heidi Biebl aus Oberstaufen im Allgäu feierte 1960 ihren größten Triumph und gewann die Olympische Goldmedaille im Ski-Abfahrtsrennen der Damen. Auch 60 Jahre später erinnert sich der deutsche Skistar gerne an diesen besonderen Tag zurück.

Es war der 19. Februar 1960. Im beliebten Wintersportgebiet Squaw Valley in Kalifornien, USA, fanden die VIII. Olympischen Winterspiele statt. Für eine echte Überraschung und einen Platz ganz oben auf dem Treppchen, sorgte Abfahrtsläuferin Heidi Biebl aus Oberstaufen. Denn sie siegte als jüngste Goldmedaillengewinnerin dieser Wettkämpfe mit gerade einmal 19 Jahren. Zwar hatten die Verantwortlichen Heidi im Vorfeld einen Platz in den Medaillenrängen zugetraut, doch dass sie gar Erste wurde, löste allgemein große Freude aus. Insgesamt 15 deutsche Meistertitel und 30 Weltcup-Siege sind, neben den olympischen Erfolgen, eine stolze Bilanz der leidenschaftlichen Skirennläuferin. Noch heute begeistert sich die waschechte Oberstaufenerin, nach der sogar eine Straße in Oberstaufen benannt wurde, für den Skisport. Grund genug also, sich mit ihr auf ein kleines „Schwätzchen“ zu treffen.

Liebe Heidi, wie alt waren Sie, als Sie zum ersten Mal auf Skiern standen?
Heidi Biebl: Da war ich drei Jahre alt. Meine Mutter hat mir beim Schreiner kleine Rutscherle machen lassen und mich zum Staufen mitgenommen – damals gab es den Staufenlift und man konnte dort noch Skifahren. Das Skifahren habe ich mir mehr oder weniger selbst beigebracht, denn ich wollte das unbedingt können. Bei meiner ersten Fahrt mit einem Schlepplift – damals waren es noch Holzbügel für eine Person – wusste ich nicht wie ich aussteigen sollte. Daraufhin musste der ganze Lift gestoppt werden, so dass ich aus dem Bügel kam (lacht).

Ihr größter Triumph ist ohne Zweifel Ihr Sieg im Abfahrtsrennen bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley 1960. Haben Sie mit einem Sieg oder zumindest einem Treppchenplatz gerechnet?
Heidi Biebl: Nein, ganz und gar nicht. Wir hatten im Vorfeld bereits 14 Tage lang trainiert und ich kannte die Strecke. Trotzdem habe ich fürchterlich geschimpft als ich ins Ziel kam, denn ich hab´ nicht alle Kurven so erwischt, wie ich mir das vorgenommen hatte. Ich konnte kaum glauben, dass ich nichtsdestotrotz Olympiasiegerin geworden bin.

Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an diesen Tag zurückdenken?
Heidi Biebl: An das Telefonat mit meiner Mutter. Wir hatten damals noch kein Telefon. Also haben Nachbarn meine Mutter an ihr Telefon geholt, so dass ich mit ihr vom Olympischen Dorf in Amerika aus telefonieren konnte. Das war nicht nur für mich, sondern auch für meine Mutter, ein besonderer Moment. Als ich zum Abschluss meiner Mutter gesagt habe sie soll den „Katza Boale“ grüßen, dachten alle, dass dies mein Freund ist. Aber dabei war das einfach nur unser Kater.
Was mir in amüsanter Erinnerung geblieben ist: ich habe für das Abfahrtsrennen meinen hellblauen „Glückspulli“ angehabt. Den habe ich mir nach einem Sieg in St. Moritz von dem Gewinn gekauft. Als ich ins Ziel kam und die Verantwortlichen vom DSV bemerkt haben, dass ich nicht die Vereinskleidung trug, haben die mir sofort den Pullover ausgezogen. Zum Glück habe ich die Goldmedaille gewonnen, so gab es keine Bestrafung für diesen Regelverstoß (lacht).

Was haben Sie als Anerkennung für Ihren Olympiasieg bekommen?
Heidi Biebl: Ich habe damals eine kaufmännische Lehre in einer Skifabrik in Erbach bei Ulm gemacht. Der Chef wollte mir eine Armbanduhr schenken. Ich hatte aber schon eine und brauchte Geld, weil ich den Führerschein machen wollte. Mein Lehrherr hat mir daraufhin sogar den Führerschein bezahlt, für 360 DM. Zudem bekam ich ein braun-weiß-geflecktes Kälbchen von einem Rancher in Amerika geschenkt. Das Kälbchen wurde mit einem Flugzeug nach München verschickt. Dort haben wir meine „Miss Olympia“ dann abgeholt und zu einem Bauern in Oberstaufen gebracht. Ich bin mir sicher, dass es heute noch Nachkommen vom einstigen „Olympia-Kälbchen“ geben dürfte.

Welche Erinnerungsstücke von damals haben Sie heute noch?
Heidi Biebl: Nicht viele. Ich habe meine ganzen Trophäen, wie zum Beispiel die Goldmedaille oder das große Bambi für meinen dreimaligen Sieg in Grindelwald, dem Heimatmuseum Oberstaufen gestiftet. Besucher im „Strumpfar Haus“ können diese dort anschauen. Was ich aber noch Zuhause habe, ist eine kleine Stoffpuppe, die ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen habe. Diese wurde selbst gehäkelt und gebastelt und zeigt mich mit meinem Siegeroutfit bei Olympia 1960 – natürlich inklusive meinem hellblauen Glückspullover (lacht).

Das gesamte Interview findest Du in der Ausgabe Januar/Februar 2020 des Oberstaufen Magazins hier

Deutsche Olympiasiegerin Heidi Biebl aus Oberstaufen

© Sieglinde Hankele - KWA
© Archiv SC Oberstaufen
© Archiv SC Oberstaufen

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