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Schrothkur-Tagebuch von Bianca Keybach

Schrothkur-Tagebuch von Bianca Keybach

am 21.07.2010

Oberstaufens Tourismus- und Schrothkurchefin hält sich mit der Schrothkur fit. Von 28. Juni bis 10. Juli 2010 schrothet Sie im Wellnesshotel Bergkristall. Wie es ihr dabei geht, über welche Erfolge sie sich freut und welche "Krisen" sie durchlebt, lesen Sie hier im täglichen Schrothkur-Tagebuch des Kurdirektors.

Bergkristall-Außenpool mit Ausblick
Bergkristall-Außenpool mit Ausblick
Elektro-Fahrrad-Test
Elektro-Fahrrad-Test
Vorbereitung zur Schrothpackung
Vorbereitung zur Schrothpackung
Die Packer sind Deine nächtlichen Begleiter
Die Packer sind Deine nächtlichen Begleiter
Vor der Packung gibt es einen Kräutertee
Vor der Packung gibt es einen Kräutertee
Die Schrothpackung wird fachmännisch angelegt
Die Schrothpackung wird fachmännisch angelegt
Schroth`sche Kost
Schroth`sche Kost
Die Kur unterteilt sich in Trink- und Trockentage
Die Kur unterteilt sich in Trink- und Trockentage
Zubereitung von Schrothkurkost
Zubereitung von Schrothkurkost
Nur frische Zutaten werden verwendet
Nur frische Zutaten werden verwendet
Das Serviceteam im Bergkristall
Das Serviceteam im Bergkristall
Gesund Abnehmen mit der Schrothkur
Gesund Abnehmen mit der Schrothkur

Tag 1: Montag, der 28. Juni 2010

Nachdem ich in den letzten Jahren bereits im Sanatorium Dr. Brosig, im Hotel Birkenhof, dem Allgäuer Panoramahotel und dem Landhaus Nagelfluh geschrothet habe, bin ich nun zu meiner fünften Schrothkur im Wellnesshotel Bergkristall. Warum habe ich mich als 30-jährige, gesunde Frau dafür entschieden, zwei Wochen lang nach Johann Schroth zu fasten?

  • 1. Ich bin der Kurdirektor von Oberstaufen und damit auch für dieses Naturheilverfahren verantwortlich. Wie könnte ich etwas vermarkten und verkaufen, das ich selbst nur vom Hörensagen kenne? Ein Autohändler fährt ja auch regelmäßig die Automarke die er verkaufen möchte, damit er weiß von was er spricht.
  • 2. Ein paar Kilos abzunehmen ist natürlich ein Mitgrund, der mich motiviert, in den nächsten Tagen Disziplin zu üben. Wiegen lassen habe ich mich bei der ärztlichen Anfangsuntersuchung nicht, denn ich möchte mich keinem Erfolgsdruck aussetzen.
  • 3. Wieder bewusst genießen lernen ist einer der Hauptgründe, warum ich mich auf meine Schrothkur freue. Im Alltag schleicht sich immer wieder eine gewisse Maßlosigkeit ein. Die morgendlichen Tassen Kaffee werden gar nicht mehr gezählt und oft wird im Stress nur gegessen, damit der Magen voll ist, ohne dass der Gaumen die Gelegenheit bekommt, die verschiedenen Geschmacksvariationen bewusst aufzunehmen. Und die Überlegung, welche Nahrungsmittel wären nun gut für mich, wird regelmäßig vernachlässigt. Auch auf das ein oder andere Belohnungsbier und die in letzter Zeit mehr werdenden Stress-Zigaretten möchte ich wieder verzichten.
  • 4. Ich möchte noch gesund und fit sein und sehe dir Kur daher als Vorsorgemaßnahme.

Los ging meine Schrothkur eigentlich schon am vergangenen Freitag mit der ärztlichen Anfangsuntersuchung bei Dr. med. Vera Brosig. „Alles prima“, hieß es dort, so dass ich die echte Schrothkur machen kann, mit täglichen Ganzpackungen, dem Wechsel von Trink- und Trockentagen und der standardmäßigen Schroth'schen Kost. Und regelmäßige Bewegung habe ich mir genauso wie die ein oder andere Wellnessanwendung auch vorgenommen.

Nach Public Viewing im Biergarten mit Radlermaß und Siegesfeier des Achtelfinal-Siegs der Deutschen Fußballmannschaft ging es gestern Abend ins Hotel Bergkristall. Ein wunderschönes Zimmer erwartete mich dort mit Südbalkon und traumhafter Aussicht. Als ich mir dort eine Abschiedszigarette gönnte ging gerade der Vollmond über dem Hochgrat auf. Bei abnehmenden Mond zu schrothen fällt leichter und verspricht mehr Erfolg, sag man. Ich freue mich drauf.

Um ein Uhr nachts beschließe ich, endlich das Licht auszumachen und zu schlafen, denn um vier Uhr kommt die Packerin. Die erste Nacht im Rahmen einer Schrothkur ist frei nach Forest Gump wie eine Schachtel Pralinen; man weiß nie was man bekommt. Wird die Packerin sympatisch sein? Wird sie mich behutsam ins feuchtkalte Laken schicken? Um 4:09 ging die Zimmertüre auf. „Guten Morgen, Frühstück…“, weckte mich eine sanfte Stimme. Eine Tasse Früchtetee und ein Zwieback. Jetzt geht's los. Nach zehn Minuten kam die Gott sei Dank sehr sympatische Dame, mit der ich auch die nächsten 12 Nächte um die gleiche Zeit eine Verabredung habe, wieder. Waltraud ist eine Vorzeigepackerin, finde ich. Während Sie mich packt – so heisst das bei der Schrothkur – fragt sie immer wieder nach, ob es hier bequem ist, die Knierolle passt, die Wärmflaschen so angenehm sind und ob ich Packbänder haben möchte. Na klar, wenn dann richtig! In einer Stunde wolle sie wieder kommen und nach sehen ob alles in Ordnung ist. Falls ich zwischenzeitlich irgend etwas brauche, solle ich einfach die Klingel drücken, die ich mit in der Packung habe. Aber ich schlafe direkt wieder ein, träume etwas wirre Geschichten, was aber vielen so geht, schwitze ziemlich und freue mich, als mich Waltraud um halb sieben wieder auspackt. Unbeschreiblich, das Gefühl danach genauso wie der anschließende Schlaf.

Um 8.30 Uhr stehe ich auf, dusche und freue mich auf den Tee zum Frühstück. Der erste Kurtag ist immer ein Trinktag. Gut dass ich an einem Montag anfange, so habe ich zwei Trinktage nacheinander. Sabine Lingg, die Chefin vom Bergkristall schrothet mit. Auf der Panoramaterasse trinken wir gemeinsam einen Ingwertee. Danach fahre ich nochmal nach Oberstaufen in die Praxis Dr. Brosig, um Blut abnehmen zu lassen. Ich bin gespannt auf meine Werte – jetzt und am Ende meiner Kur. Nun sitze ich auf meinem Hotelbalkon und komme mir vor wie im Urlaub. Gleich gibt es die berühmte Pflaumensuppe, die die Kur-Diät einläutet, die Verdauung anregen soll und definitiv Geschmackssache ist. Ich bin diesbezüglich pflegeleicht. Den Nachmittag verbringe ich im Büro. Ich bin ja schließlich nicht nur Schrothkur-Gast sondern auch Kurdirektor ;-)

Hunger: noch keinen
Kurkrise (Risiko zwischen dem ersten und dritten Kurtag besonders hoch): nicht in Sicht

Tag 2: Dienstag, 29. Juni 2010

Im Nachhinein betrachtet war der erste Schrothkurtag hart. Während ich vormittags noch dachte, alles ist prima, übermannte mich nach dem Mittagessen mit Sabine Lingg (Pflaumensuppe) die Müdigkeit, und ein leichter Kopfschmerz begleitete mich durch den restlichen Tag. Das Abendessen (Karotten-Ingwer-Suppe, danach gefüllte Tomate und zum Dessert gedünstete Birne an Himbeer-Soße) war den Umständen entsprechend lecker. Verhältnismäßig früh zog es mich in mein schönes Hotelbett und geschafft schlief ich schnell ein.

Waltraud ist eine eher ruhige Packerin, was ich sehr schätze, denn so kann ich Murmeltier im Halbschlaf in die Packung, in der Packung direkt weiter schlafen und danach sowieso wie ein Baby schlummern.

Wie auch gestern war mein Frühstück ein Ingwer-Energie-Tee. Heute fühle ich mich fitter. Um den kulinarischen Verzicht zu kompensieren, verbrachte ich den halben Vormittag beim Friseur. Man muss sich ja auch regelmäßig belohnen für das Durchhalten – gerade an den ersten Tagen.

Nach köstlichen Kartoffeln mit Gemüse zu Mittag ging es direkt zu Oli´s Bikeshop, wo die Oberstaufener Gastgeber die neuen Elektro-Bikes testen konnten. Als wären wir die Konditionsbolzen radelten wir – die elektronische Unterstützung pauschal auf „high“ eingestellt – flott eine kleine Runde über Bad Rain, Wengen, Kalzhofen zurück nach Oberstaufen. Ein tolles Gerät, dieses Elektrobike. Nach ein paar Stunden Büro-Arbeit freue ich mich jetzt aufs Abendessen sowie das viel diskutierte aber für die meisten Schrothler einfach wunderbare Glas Kurwein. Kann man dieses eigentlich auch gegen Prosecco eintauschen? Dann werde ich auf meinem Hotel Balkon in die Nacht hinein lesen, in Vorfreude auf die anstehenden Energie-Schübe.

Die ersten zwei Tage sind geschafft. Jetzt geht es aufwärts – hoffentlich…

Tag 3: Mittwoch, 30. Juni 2010

Um das Zitat zum Tag vorweg zu nehmen: Tagein tagaus befinden wir uns im Hamsterrad namens Alltagsstress. Die Schrothkur haut Dich mit einem Schlag heraus und lässt Dich runter fahren. Ich bin raus aus dem Hamsterrad - endlich einmal wieder seit langem - habe keinerlei Hungergefühle mehr, keinen Hunger und spüre wie die Schroth'sche Energie-Quelle angezapft ist.

Gestern Abend habe ich mir ein Prosecco-Schorle gegönnt und entschieden, dass der trockene, hochwertige Weißwein auch in Form von trockenem, hochwertigen Prosecco genossen werden kann, denn es ist im Endeffekt nichts anderes und bei der sommerlichen Schrothkur im Schorle einfach erfrischender. Symbolisch für die Tiefenentspannung setzte ich mich zum Ausklang des Tages auf meinen Hotelbalkon und fing ein neues Buch an zu lesen.

Heute hieß es erst einmal ausschlafen bis 9.00 Uhr. Danach gab es nach einen Ingwer-Energie-Tee Nordic Walking mit Sabine. Vor dem Mittagessen relaxte ich eine Stunde auf der Bergkristall-Liegewiese und heute Nachmittag war wieder Bürodienst angesagt. Während der Schrothkur zu arbeiten finden manche ungünstig. Für mich ist es halbtags eine schöne Ablenkung. Außerdem hindert die Grundentspannung und die "das sehen wir ja dann"-Laune einen daran, sich stressen zu lassen. Wen ich allerdings während der Kur als ständigen Begleiter bei mir habe, ist der Notizzettel, denn während der Kur lässt das Kurzzeitgedächnis schon teilweise zu wünschen übrig. "Was wollte ich gerade tun? Wen wollte ich anrufen", fragt man sich in dieser Zeit überdurchschnittlich oft. Gleichzeitig sprühe ich aber vor Ideen, erledige alle Aufgaben schnell und motiviert.

Jetzt geht's gleich zum Abendessen. Etwas mit Sellerie stand auf dem Schrothler-Speiseplan, den ich heute morgen kurz angschaut habe. Danach steht ein rauschendes Fest unserer Film-Firma an. Aus diesem Grund habe ich heute ausnahmsweise darauf verzichtet, den Trockentag einzuhalten.

Die Schrothkur ist so wunderbar, wenn man die ersten Tage überwunden und der Körper sich umgestellt hat.

Adieu Hamsterrad, herzlich Willkommen Wohlgefühl.

Tag 4: Donnerstag, den 1. Juli 2010

Nachdem nun bereits 1/3 meiner Schrothkurzeit hinter mir liegt, fühle ich mich weniger als Kurdirektor sondern mehr als Schrothkur-/Urlaubsgast in Oberstaufen.

Nach dem Besuch einer Veranstaltung gestern Abend bin ich etwas spät ins Bett gekommen, so dass mir nur drei Stunden Vorpackungsschlaf vergönnt waren. Entsprechend tief schlief ich in der Packung weiter. Und weil ich ja hier Urlaub mache, habe ich danach direkt bis 10.00 Uhr ausgeschlafen. Nach dem traditionellen Tee zum Frühsück begab ich mich in die wohltuenden Hände von Simone, der Masseurin des Bergkristall und war begeistert von ihrer Idee, die Massage nicht in einer der Behandlungskabinen, sondern draußen im Wellness-Pavillion zu genießen. Wuuuunderbar.

Zu Mittag gab es eine köstliche gefüllte Paprika (mit Reis, Kräutern und Gemüse), zum Nachtisch gekochte Waldbeeren. Danach teilte ich meine bisherigen Schrothkur-Erfahrungen bei meinem zweiten Interview mit unserem regionalen Radio Sender RSA und begab mich zum nachmittaglichen Bürodienst. Hier sitze ich nun und bin froh, dass ich mich wieder einmal intensiv in unsere Schrothkur-Gäste hinein versetzen kann. Entsprechend "betroffen" schrieb ich auch die aktuellsten Kommentare auf Fragen/Irrtümer zur Schrothkur auf www.gesundheitsfrage.net und www.fid-gesundheitswissen.de

Tag 5: Freitag, den 2. Juli 2010

„Ohne Kampf kein Sieg, ohne Verzicht kein Genuss, ohne Reinigung keine Heilung“, sagte Emanuel Schroth einmal. Und recht hatte er.

Heute habe ich meinen ersten Trockentag, nachdem es mir am Mittwoch nicht möglich war. Im Sommer ist dieser Bestandteil der Kur eine noch größere Herausforderung und etwas vorsichtig zu betrachten. So habe ich heute vor der Packung und nach dem Aufstehen jeweils ein Glas Tee getrunken, nachmittags ein kleines Glas Wasser. Und gleich zum Abendessen gibt es frisch gepressten Orangensaft.

Ich persönlich bin ein großer Fan des Trockentages, weil man meint zu spüren, wie sich die Zellen zusammen ziehen und ein Sog gebildet wird. Am darauf folgenden Trinktag ist das Wohlgefühl noch besser. Trotzdem belastet das wenig Trinken. Deshalb war meine Produktivität heute nur mittelmäßig. Nach einem Prosecco-Schorle zu viel gestern Abend, war die Packung sehr hilfreich, um einem Kater vorzubeugen. Nach langem Ausschlafen hieß es ausgiebig auf der Terrasse Tee trinken. Zum Mittagessen gab es Sauerkraut mit Ananas und Kartoffel. Am Nachmittag war ich nur knapp zwei Stunden im Büro. Die meiste Zeit habe ich auf der Bergkristall-Liegewiese mit einem tollen Buch verbracht.

Jetzt freue ich mich riesig auf den O-Saft und ein Glas extra Wasser. Zum Dinner gibt es Kolrabi-Spagetti mit Tomatensoße. Hört sich gut an. Ich bin gespannt, was das genau ist. Und morgen werde ich die am heutigen Trockentag gelösten Substanzen durch viiiiel Trinken ausscheiden und mich noch sauberer fühlen. Gut dass das WM-Achtelfinale am Trinktag ist ;-)

Tag 6 und 7: Samstag, den 3. Juli und Sonntag, den 4. Juli 2010

Die Trockenheit ist überstanden. Ein den Umständen entsprechend genussvolles Schrothler-Wochenende liegt hinter mir.

Nach dem aufgrund der Trockenheit stimmungsmäßig doch etwas durchwachsenen Freitag freute ich mich umso mehr auf die zwei darauf folgenden Trinktage. Am Samstag stand einmal wieder ausschlafen auf dem Programm, danach der obligatorische Ingwer-Energietee und kurz darauf - das ist das gute am Ausschlafen - auch gleich schon das Mittagessen: Lauch-Sellerie-Gedöns. Zum ersten Mal eine Schrothkur-Mahlzeit, die nicht so ganz nach meinem Geschmack war. Vielleicht liegt das daran, dass der Koch, der dieses zubereitet hat, selbst noch nie eine Schrothkur gemacht hat, wie man mir gesagt hat. Wie soll er sich da in die Bedüfnisse eines Schrothlers hinein fühlen können, der sich trotz überdurchschnittlicher Verzicht-Toleranz über eine bißchen Farbe und Alternativ-Geschmack (Schnittlauch, Petersilie, Majoran, Ingwer, Knoblauch...) extrem freut. Naja, dafür war das Aprikosensorbet als Nachtisch extravagant.

Zusätzlich auf die Probe gestellt wurde meine Disziplin deshalb, weil ich übers Wochenende Besuch aus München hatte. Mein "Langzeit-Kurschatten" Emil und ein befreundetes Paar ließen sich das Allgäuer Bier und die abendlichen 5-Gang-Menüs schmecken. Kompensieren konnte ich das nur dadurch, dass ich mir das ein oder andere Kurgebäck mehr genehmigt habe und am Samstag Abend ein Glas trockenen Rotwein - auf unsere WM-Jungs.

Für Schrohtkur-Gäste, zu denen ich mich ja mittlerweile zähle, bekommt der Sonntag als Tag des Herrn eine ganz andere Bedeutung, denn am siebten Tage gibt es keine Packung. Für mich hieß das zehn Stunden Schlaf am Stück, was laut Expertenmeinung ja auch wieder nicht mehr gesund ist - aber das ist die Schrothkur ja laut verschiedenen Experten auch nicht. Ich frage mich, wie man einen Experten wohl definieren sollte... Den Sonnennachmittag haben wir einmal wieder lesend auf der Liegewiese verbracht. Mein Ruhepuls liegt nun wohl bei 20 Schlägen pro Minute. Auch meine zwischenzeitliche Hautfarbe bestätigt, dass ich hier im Urlaub bin. Das sonntagliche Abendmahl ließ wieder Auge und Gaumen glänzen.

So lässt sich´s schrothen. Bis morgen, dann ist wieder Trockentag.

Tag 8: Montag, den 5. Juli 2010

Die zweite Woche bei der Schrothkur ist die beste. Die Energiequelle sprudelt endlos, die vormals enge Jeans passt perfekt und den Trockentag stecke ich mit links weg.

Es ist schon interessant, wie schnell man sich an die Dinge gewöhnt. Die heutige Packung habe ich beinahe nicht mitbekommen. Gerade erst drin im "Schwitzkasten" ist Waltraud auch schon wieder da und packt mich aus - obwohl ich wie immer 2 Stunden drin lag. Danach habe ich mir wieder ein längeres Nachruhen bis nach 9.00 Uhr gegönnt. Beim Aufwachen die erfrischende Erkenntnis, es regnet. Wie wohltuend und ein gutes Argument dafür, noch ein bißchen länger im Bett liegen zu bleiben und in meinem Buch weiter zu lesen. Schließlich ist heute ja wieder Trockentag, d.h. Ruhetag. Gegen halb elf begab ich mich in die Bergkristall-Lounge auf ein Glas Schwarztee und dann gab es auch schon Mittagessen: eingeweichte Pflaumen mit Grapefruit-Filets und einem Schroth-Semmel. Vorzüglich, was die Köchin aus diesem fad klingenden Gericht heute gezaubert hat.

Der Nachmittag gehörte wieder einmal dem Büro und nach kurzer Abendessens-Pause mit 3-Gang-Menü und einem herrlichen frisch gepressten Orangensaft dank schneller Wetteraufhellung auf der sonnenverwähnten Terasse hatte ich noch einen Termin mit dem Oberstaufener Einzelhandelsverband.

Alles was ich heute getrunken habe war ein Glas Tee vor der Packung, das danach aber sicher wieder raus geschwitzt war, ein Glas Tee vor dem Mittagessen und ein Glas frisch gepressten Orangensaft zum Abendessen. Zusammen mit der Flüssigkeit im Essen komme ich insgesamt vielleicht auf 0,8 Liter für heute. Und das war im Gegensatz zum vergangenen Freitag kein Problem.

Das Zitat des Tages leihe ich mir von Pedro Calderón (spanischer Dramatiker und Poet) aus: "Der größte Sieg ist, sich selbst besiegen." Ein nicht zu verachtender Punkt bei der Schrothkur ist die Stärkung des Selbstvertrauens. Wenn man eine Schrothkur durch hält und damit sich selbst oder genauer gesagt, seine Komfortzone besiegt, traut man sich wohl eher zu, auch andere Herausforderungen zu meistern, die auf den ersten Blick schwierig erscheinen.

Tag 9: Dienstag, den 6. Juli 2010

Niemand ist so nah dran am Schrothler wie die Packerin. Deshalb gehört diese Berufsgruppe zu der wichtigsten im Rahmen der Schrothkur. Meine Packerin Waltraud ließ mich heute Nacht aber allein im feuchtkalten Laken.

Wie auch die letzten Nächte brachte mir Waltraud gegen 4.00 Uhr mein Glas Tee mit einer Scheibe Zwieback. Verlässliche 10 Minuten später kam sie wieder, um mich zu "packen". Während meine nächtliche Verabredung das Packbett vorbereitete, zog ich mich aus und wenige Sekunden später legte ich mich auf das kalte, nasse Laken. Brrrr. Schnell faltete Waltraud das Laken über mir ein, doch dann läutete die Alarmglocke. "Ich decke Dich noch kurz zu, damit Du nicht zu sehr frierst und bin dann gleich wieder da", hörte ich und schon lag ich allein und halb gepackt in meinem Zimmer. Kaaaaalt. Wenige Minuten später war die Bergkristall-Packerin wieder bei mir. "Und, alles ok?", fragte ich. "Jaja, ein anderer Gast mag den roten Tee nicht." Das war´s? Weil jemand mitten in der Nacht spontan erkennt, dass er oder sie keinen roten sondern lieber einen anderen Tee hätte, muss ich meine Gänsehaut-Phase verlängern? Ja guat.

Das sind meine Packerinnen. Arbeitsbeginn gegen 3.00 Uhr nachts, 6-Tage Woche und nackte, schwitzende Fremde. Dieser Job gehört wahrlich nicht zu den beliebtesten, wenngleich er sicher in vielen Situationen spannend ist. Und jeden Tag aufs neue tun die Damen und seltenen Herren alles, um die Packung so angenehm wie möglich zu machen, auf die Bedürfnisse jedes Gastes einzugehen und gleichzeitig die perfekte Packung zu verabreichen. Bewundernswert!

Der Rest des Tages war unspektakulär: Ausschlafen bis 9.30 Uhr, Energietee um 10.30 Uhr, erster Geschäftstermin um 11.00 Uhr, dann kurz Mittagessen (Mediterraner Gemüseeintopf), um 13.00 Uhr zurück im Büro, 18.00 Uhr Abendessen, 19.00 Uhr eine Runde Nordic Walking mit meiner Freundin Christiane und danach - es ist Trinktag - zwei Prosecco-Schorle. Ein ganz normaler Schrothler-Tag...

Tag 10: Mittwoch, der 7. Juli 2010

An die Schroth´sche Tiefenentspannung könnte man sich schon gewöhnen. Was ist Stress? Gegen mich ist der Dalai Lama ein al-Qaida Kämpfer ;-) Doch vor lauter innerem Frieden hätte ich heute beinahe mein Interview mit RSA vergessen.

Aber der Reihe nach. Heute verlief die Packung wieder nach Plan. Während der Packung erzählte mir Waltraud, dass sie Fußballfan ist, heute Abend schauen muss, wie sie vor dem WM-Spiel eine Mütze Schlaf bekommt und dass sie, wenn wir Weltmeister werden, am Montag im Deutschland-Trikot packt. Schade, dass meine Schrothkur am Samstag bereits endet, sonst hätte ich das sehr gerne fotografiert.

An den Luxus des Ausschlafens nach der Packung habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Weil ich mich von meinem genialen Buch nicht trennen konnte, habe ich es direkt zu Ende gelesen. 12.00 Uhr. Ach ja, ein Handy habe ich auch noch - ganz vegessen. Ein verpasster Anruf von RSA Radio und eine Mailbox-Nachricht. Scheiße, wir hatten ja für 10.00 Uhr ein Telefoninterview vereinbart. Also rief ich sofort zurück und wir holten das Interview nach, indem ich dann tiefenentspannterweise doch glatt einen grundlegenden Zusammenhang zwischen dem Trockentag und der Fußball WM herstellte. Hoffentlich hat das niemand gehört.

Dann ging´s zum Essen auf die wieder besonnte Bergkristall-Terrasse. Eingeweichte Trockenaprikosen mit Orangenfilets und Schrothler-Brot. Zum Trinken brauche ich nichts, heute ist Trockentag. Da Hunger genauso wie Stress vorübergehend aus meinem Wortschatz und aus meiner Emotionspalette gestrichen sind, esse ich nur die Hälfte der Aprikosen, obwohl sie sehr gut schmecken und sehr charmant gebracht werden. Essen wird überschätzt, finde ich, bis Sonntag.

Nachdem ich gestern meine Packerin Waltraud vorgestellt habe, ist heute das Service-Team dran, das allen Gästen jeden Wunsch von den Augen abliest, gerne noch etwas Schrothler-Brot nach bringt und zwischenzeitlich weiß, dass Prosecco-Schorle im Weißweinglas mit drei Eiswürfeln mein Lieblingsgetränk ist. Ich weiß gar nicht, wie ich mich ab nächste Woche wieder selber versorgen soll, wenn meine Schrothkur zu Ende ist.

Tag 11: Donnerstag, den 8. Juli 2010

Während der Schrothkur fällt es so leicht, sich regelmäßig zu bewegen. Warum schaffe ich das im Alltag nicht?

Meinen vorletzen richtigen Schrothkurtag läutete ich bzw. Waltraud wie auch die anderen morgens um 4.00 Uhr mit der Packung ein. Ich kann mir schon kaum mehr vorstellen wie es ist, keine morgendliche Packung zu bekommen. Meinen Guten-Morgen-Tee habe ich direkt beim Sonnenbad auf der Liegewiese genossen. Zum Mittagessen gab es gefüllte Paprika mit Currynote - leckor. Auf den Nachtisch habe ich verzichtet, da mir Hunger beinahe schon zum Fremdwort geworden ist. Und nach dem allnachmittäglichen Büro-Dienst habe ich mich entschlossen, noch zum nahe gelegenen Alpsee zu fahren, um ein bißchen Abkühlung zu bekommen. Vorher aber noch mit Karottenmousse gefüllte Kartoffeln und frische Kresse - ein salzloser Traum.

Weil heute Trink- und damit Bewegungstag ist, entschied ich mich, nicht nur zur Abkühlung in den Alpsee zu springen, sondern auch etwas zu schwimmen - einmal quer durch und wieder zurück. Und jetzt fühle ich mich frisch und befriedigt. So sehr mich meine chronische Bewegungs-Phobie plagt; nachdem man sich bewegt hat, fühlt man sich einfach besser. Was ich mir für nach der Schrothkur vorgenommen habe, fragte mich heute ein anderer Bergkristall-Schrohtler. Ich glaube, das mit der regelmäßigen angenehmen Bewegung (Nordic Walking, Schwimmen usw.) wäre schon mal ein sehr guter Anfang. Komischerweise scheint es einem während der Kur viel leichter zu fallen, sich zu bewegen. Vielleicht liegt es an der Einstellung. Vielleicht kann ich mir diese Einstellung mitnehmen ins After-Schroth-Programm.

Dann kam heute die lang ersehnte Frage "Was möchtest Du morgen an Deinem ersten Aufbautag?" Mittags wird es eine Maultaschensuppe geben, abends eine Folienkartoffel mit Kräuterquark und etwas Salat. Ich freu mich drauf und möchte als Kurdirektor an dieser Stelle nicht versäumen zu erwähnen, dass bei zwei Wochen Kur zwei Tage Aufbaukost immens wichtig sind, um nicht von einem Tag in den anderen ins "normale" Leben zurück zu kehren. Der ganze Körper ist umgestellt und braucht wie auch am Anfang der Kur seine Zeit, um wieder zurück zu finden in die Normalität.

Tag 12: Freitag, 9. Juli 2010

Es geht lohos; 1. Aufbautag mit Maultaschensuppe zum Mittag- und Folienkartoffel, Kräuterquark und Salat zum Abendessen. Welch herrliche Gaumenfreuden entzücken meine sensibilisierten Geschmacksnerven.

Nach meinem erfrischenden Abstecher zum Alpsee und einer kurzen Büro-Spätschicht gestern Abend habe ich das Bergkristall-Serviceteam sowie die noch anwesenden Köche und Küchenmitarbeiter auf drei Flaschen Prosecco eingeladen. Eine tolle Mannschaft!

Meine vorletzte Packung verlief routiniert - nicht nur für Waltraud, sondern auch für mich. Um halb neun klingelte der Wecker. Heute wollte ich vorbereitet sein auf mein RSA-Interview um 9:30 Uhr. Das hat dann auch geklappt und der Inhalt des Interviews war zufriedenstellend - für mich zumindest.

Da ich um 11.00 Uhr einen Geschäftstermin hatte, war ich ausnahmsweise schon vormittags im Büro. Und dann kündigte sich mein erstes Aufbau-Essen an: Maultaschensuppe. Eine Geschmacksexplosion. Es ist unglaublich wie man seinen Gaumen durch eine zweiwöchige Schrothkur so sensibilisieren kann, dass man danach jede Nuance intensiv erleben und genießen kann. Und da mein Magen sich in den letzten Wochen an kleinere Portionen gewöhnt hat, bin ich nach dem Süppchen auch schon satt. Wenn man das nur langfristig so hinkriegen könnte ;-) Heute Abend steht ein weiteres Highlight an: Folienkartoffeln mit Kräuterquark und Salat. Ich schmelze dahin vor Vorfreude.

Und als hätte sie es so terminiert, erhielt ich heute ein Exemplar von Sabine Vöpel-Kramers Buch "Liebe(s) Grüße aus der Kur", das sie in bzw. über die Schrothkur in Oberstaufen geschrieben hat. Die ersten 30 Seiten habe ich gelesen und herzlich gelacht. Übers Wochenende möchte ich das Buch komplett lesen und wenn es so weiter geht wie in den ersten Seiten, dann wird dieses Werk zur offiziellen Empfehlung und zum zukünftigen Ehrungsgeschenk für meine langjährigen Schrothkur-Gäste. Und verkaufen werden wir es natürlich auch. Aber eines nach dem anderen. Jetzt platziere ich mein geschrothetes Ich erstmal gemütlich an ein schattiges Plätzchen und lese weiter.

Tag 13: Samstag, den 10. Juli 2010

Meine Schrothkur ist zu Ende. Heute früh fand die letzte Packung statt, die Aufbaukost habe ich sehr genossen. Jetzt bin ich wieder auf mich alleine gestellt. Der Wiedereinstieg ins normale Essen und Leben ist immer wieder eine Herausforderung.

Ich wiege ca. 5 Kilo weniger, fühle mich blendend und freue mich, dass ich wieder "frei" bin. Ich muss mir keine Sorgen mehr darüber machen , ob ich für meine nächtliche Verabredung einigermaßen gepflegt im Bett liege, muss nicht mehr überlegen, ob ich heute viel oder wenig trinken soll und kann wieder Essen was ich möchte. Theoretisch. Aber gerade beim Thema Essen fühlen man sich am Ende der Schrothkur etwas hilflos. Einerseits würde man am liebsten sofort in die nächste Metzgerei oder Bäckerei stürzen und sich seinen Lieblingssnack holen, andererseits hat man Angst davor, dass der Alltagstrott und die Kilos schneller wieder da sind, als man das neu gewonnene Lebensgefühl genießen kann.

Da wir heute um 10.00 Uhr ein Seminar hatten und meine Angst vor den Verlockungen des reichhaltigen Frühstücksbuffets im Bergkristall groß waren, habe ich auf ein Abschlussfrühstück im Hotel verzichtet. Statt dessen habe ich mir eine Semmel und Obst gekauft. Und wie jeder normale Schrothler nehme ich nun den Flyer "Ernährung nach der Schrothkur" zur Hand. Es ist schon faszinierend, weil jeder schon hundert mal gehört hat, wie eine gesunde Ernährung aussieht und man sich trotzdem noch Anleitung wünscht. Die letzten zwei Wochen war das Bergkristall-Team für meine Ernährung und mein Gewicht zuständig, jetzt übernehme ich wieder die Verantwortung.

Das ein oder andere Kilo ist eh gleich wieder drauf auf den Rippen, weil ja der Salzmangel der letzten beiden Wochen Wasseransammlungen im Gewebe verhindert hat, die schnell wieder da sind, wenn ich den Salzstreuer zücke. Aber deshalb kann ich ja nun nicht aufs Salz verzichten. Die Umstellung auf ein normales Kalorien-Niveau wird wohl noch ein paar Tage dauern. Dann hoffe ich, dass ich meine schlauen Erkenntnisse der letzten Tage langfristig umsetzen kann: etwas mehr Bewegung, etwas mehr bewussten Genuss, etwas weniger Maßlosigkeit und natürlich wieder Schrothkur im nächsten Jahr.

Tagebuch-Fazit:
Die Schrothkur erfordert Disziplin und ist teilweise sehr anstrengend. Die Belohnung ist Entspannung, Selbsterkenntnis, ein neues Körpergefühl und viele neue Vorsätze. Ich kann dieses wunderbare Naturheilverfahren jedem empfehlen, der sich die Frage nach dem Wesentlichen stellt.

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