Hirten mit Herde beim Viehscheid
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Hinter den Kulissen beim Viehscheid Oberstaufen

Hinter den Kulissen beim Viehscheid Oberstaufen

am 09.09.2019 von Katharina Klawitter

Der Viehscheid, auch Almabtrieb genannt, findet in Oberstaufen im Allgäu traditionell im September statt. Zum Ende des Bergsommers ziehen die Hirten mit ihren Herden hinab ins Tal. Am Scheidplatz wird das Eintreffen bei zünftiger Festzeltstimmung gefeiert.

Hirten mit Kranzkuh
Hirten mit Kranzkuh
Traditioneller Alpabtrieb im September
Traditioneller Alpabtrieb im September
Hirten auf dem Weg zum Scheidplatz
Hirten auf dem Weg zum Scheidplatz
Sonja Bingger Mitglied Festausschuss Viehscheid Oberstaufen
Sonja Bingger Mitglied Festausschuss Viehscheid Oberstaufen
Viehscheid Oberstaufen mit Kranzrind
Viehscheid Oberstaufen mit Kranzrind
Allgäuer Braunvieh am Viehscheid
Allgäuer Braunvieh am Viehscheid

Echtes und gelebtes Allgäuer Brauchtum – dafür steht der September im Allgäu wie fast kein anderer Monat im Jahr. Beim traditionellen Viehscheid, wie der Almabtrieb im Allgäu genannt wird, heißt es Abschied nehmen vom Bergsommer. Und dabei geht es laut daher! Unter tosendem Geläut unzähliger Schellen und Glocken ziehen beim Staufner Viehscheid Mitte September mehr als 1.200 Stück Jung- und Milchvieh, Ziegen und Pferde auf den Scheidplatz im Weißachtal und zu ihren Besitzern in die heimischen Ställe zurück.

Für die Tiere und ihre Hirten beginnt der Viehscheidtag sehr früh. Teils mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden machen sie sich auf den bis zu fünf Stunden langen und teils beschwerlichen Weg hinab ins Tal. War der Bergsommer für die Herde ohne schwerwiegende Folgen wie Unfall, Krankheit oder Blitzschlag eines Tieres, so führt ein prächtig geschmücktes Kranzrind die Herde an.

Schon von Fern vernimmt man ab dem frühen Morgen das herannahende tosende Geläut der vielen Schellen. Die Tiere tragen an diesem Tag als eine Art „Festtagsgewand“ prächtige und große Schellen um den Hals. Am Scheidplatz angekommen werden die Tiere „geschieden“, das heißt, jedes Tier wird an seinen jeweiligen Besitzer zurückgegeben.

Bis zur Mittagszeit dauert das Eintreffen und Verladen der Herden auf dem Scheidplatz. Das Spektakel wird jedes Jahr von Tausenden Besuchern verfolgt. Doch damit ist der Viehscheid noch lange nicht vorbei. Im Festzelt feiern die Hirten das Ende des Bergsommers zuerst durch zünftige musikalische Unterhaltung durch die Musikkapelle Aach und anschließend die Blasmusik Oberstaufen. Am Abend heizen wechselnde Partybands den Besuchern im Festzelt ordentlich ein und sorgen für fetzige Stimmung. So wird bis leckeren Schmankerln und dem ein oder anderen Bier bis in die Nacht hinein gefeiert.

Die Ausrichtung des Viehscheids ist nur mit zahlreichen helfenden Händen möglich. Wir haben uns mit Sonja Bingger, einem Mitglied des Festausschusses, für ein kurzes „Schwätzchen“ verabredet, um weitere Details zu erfahren:

Sonja, wie viele Personen seid Ihr im Festausschuss und welche Aufgaben hat dieser?
Sonja Bingger: Insgesamt sind wir zu Acht. Wir kümmern uns um die komplette Organisation sowie Planung des Staufner Viehscheids. Dazu gehören die ganzen Bestellungen, zum Beispiel das Zelt, die Speisen und Getränke die Bedienungen und vieles mehr. Aber auch die Musik, die teilweise bereits ein bis eineinhalb Jahre im Vorfeld gebucht werden muss. Obwohl wir als Team arbeiten, hat jeder von uns einen „Hauptbereich“, für den er zuständig ist. Meiner ist zum Beispiel das Sicherheitskonzept. Wir beginnen meistens zu Beginn des jeweiligen Jahres mit den konkreten Planungen, Besprechungen und Umsetzungen, damit im September wieder ein gelungenes Viehscheidwochenende realisiert werden kann. Dazu kommen noch die jeweiligen Standchefs, welche die Personalplanung ihrer Stände in Eigenregie übernehmen.

Kannst Du Deine Tätigkeiten für das Sicherheitskonzept näher erläutern?
Sonja: Zunächst müssen wir uns jedes Jahr aufs Neue beim Ordnungsamt der Marktgemeinde Oberstaufen eine Freigabe sowie Ausschankgenehmigung für den Staufner Viehscheid erteilen lassen. Zudem werden uns in diesem Atemzug die Anforderungen an das Sicherheitskonzept mitgeteilt, sprich wie viel Security-Personal oder Sanitäranlagen zum Beispiel benötigt werden. Anschließend werden die Angebote von Security-Firma sowie den dem Bayerischen Roten Kreuz eingeholt. Wenn hier alle Partner unter einem Hut sind, geht es um die Koordination, damit Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst, Security und wir vom Festausschuss an diesem Tag gut zusammenarbeiten können. Rund zwei Wochen vor dem Viehscheid findet eine große Sicherheitsbesprechung aller beteiligten Partner statt. Während des Viehscheids stehen wir zusätzlich über Funk in stetigem Kontakt. Das koordinieren wir dann alles vom Festbüro aus, welches sich etwas separat am Zelt befindet.

Die Polizei und Feuerwehr sind am Viehscheidtag ja beispielsweise auch für die Straßensperrungen zuständig. Aus diesem Grund bekommen die Führungskräfte von Polizei, Feuerwehr und dem Sanitätsdienst an diesem Tag eine eigene Funkverbindung von der Leitstelle zur Verfügung gestellt, damit diese schnell und direkt kommunizieren können. Auch Polizei und Security sind direkt vernetzt und in Verbindung, damit für die größtmögliche Sicherheit aller Besucher gesorgt werden kann.

Du hast gesagt, Du koordinierst während des Viehscheids fast alles vom Festbüro aus. Hast Du bei dieser Verantwortung überhaupt die Möglichkeit, den Viehscheid zu genießen und mitzufeiern?
Sonja: Genießen auf jeden Fall – mitfeiern natürlich weniger. Am Vormittag sind meine Kollegen im Festbüro und regeln dort die anfallenden Aufgaben. Ich selber helfe vormittags noch am Kässpatzenstand im Außenbereich. Wenn die erste Herde am Scheidplatz, begleitet von der Musikkapelle Aach eintrifft, ist dies jedes Jahr aufs Neue einer der schönsten Momente. Ab der Mittagszeit unterstütze ich dann bei unseren Aufgaben im Festbüro und fungiere als Ansprechpartnerin in Sicherheitsangelegenheiten. Da bleibt natürlich wenig Zeit und Möglichkeit mitzufeiern, aber diese wichtige Verantwortung und die Sicherheit der Besucher hat für mich oberste Priorität. Und das macht mir natürlich auch Spaß.

Was ist denn der „Worst Case“ rund um den Staufner Viehscheid?
Sonja: Dass das Bier ausgeht (lacht). Aber das ist zum Glück noch nie vorgekommen. Wir besprechen jedes Jahr aufs Neue die Mengen, die an Speisen und Getränken bestellt werden. Durch die vergangenen Jahre können wir immer sehen und vergleichen, an welcher Stelle Verbesserungsbedarf besteht oder wir mit unseren Kalkulationen bereits ins Schwarze getroffen haben.

Für dieses Jahr haben wir uns für den Samstagabend etwas „Neues“ ausgedacht. Wir wollen mit unserer Auswahl der Bands eine etwas andere Richtung einschlagen. „Fättes Blech“ und die „Riedberg Party Band“ sorgen am „Brassen Staufner Scheid Samstag“ für ordentliche Stimmung. Wir hoffen, dass unsere Besucher einen tollen Abend erleben und natürlich auch, dass die Musikauswahl gut ankommt. Ansonsten wäre dies wohl auch ein „Worst Case“ für uns.

Was macht für Dich den Staufner Viehscheid so besonders?
Sonja: Der Staufner Viehscheid ist einer der letzten „Scheids“ im Allgäu, die noch komplett von den Vereinen auf die Beine gestellt wird. So sind vier Steibinger Vereine involviert, sprich der Trachten- und Heimatverein Steibis e.V., die Freiwillige Feuerwehr Steibis, der Schützenverein Nagelfluh Steibis e.V. sowie die Musikkapelle Steibis e.V.. Alles in allem haben wir jährlich über 100 helfende Hände aus Steibis und Umgebung (z.B. die Staufner Plattler und die Dorfgemeinschaft Kalzhofen), die vom Zeltaufbau bis zum Zeltabbau und an den Festtagen im Schichtdienst im Einsatz sind. Nicht zu vergessen die zahlreichen ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Oberstaufen und Aach, die ehrenamtlichen Sanitäter aus Oberstaufen und die Blasmusik/Musikkapelle ebenfalls aus Oberstaufen und Aach. Ohne diese grandiose Zusammenarbeit wäre es gar nicht möglich, ein Event in dieser Größenordnung mit ca. 10.000 Besuchern auf die Beine zu stellen. Das geht nur in der Gemeinschaft – und diese hält in einem guten Miteinander seit Jahren stets zusammen!

Liebe Sonja, dann auch für die nächsten Jahre viel Spaß und gutes Gelingen für und mit eurer Mannschaft beim Staufner Viehscheid. Auf ein erfolgreiches Scheid-Wochenende!

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