Schneimeister Konrad Höss © Pio Mars
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Konrad Höss - Retter der Skisaison

Konrad Höss - Retter der Skisaison

am 22.01.2019 von Ramona Kleemann

Im Blaumann - seinem „Schafferhäs“, wie man im Allgäu sagt - und mit Schildmütze auf dem Kopf, erscheint Konrad Höss per Quad an der Talstation der Imbergbahn.

Der Betriebsleiter der Bahn ist im Winter gleichzeitig einer der „Schneimeister“ und hat im November eigentlich keine Zeit für lange Gespräche. Schließlich laufen die Vorbereitungen für die Wintersaison in vollem Gange. Wir waren neugierig und baten Konrad trotzdem, uns quasi als Stellvertreter von Frau Holle, ein paar Fragen zum Thema Pistenbeschneiung zu beantworten. Der Landwirt aus dem Ortsteil Steibis arbeitet schon viele Jahre oberhalb seiner Heimatgemeinde und weiß genau, was sich Winterurlauber und Skifahrer spätestens ab Weihnachten sehnlichst wünschen: Weiße Pisten, auf denen sie per Ski, Board oder Rodel in Richtung Tal sausen können. Deshalb verfolgt Konrad Höss den Wetterbericht in den letzten Wochen des Jahres besonders intensiv. Er ist mit seinem Team für die Qualität der Pisten auf dem Imberg zuständig. Sobald die Wetterbedingungen im November passen, geben sie den Befehl „Wasser marsch“ und Tausende Liter rauschen durch unterirdische Rohre zu den Schneekanonen und -lanzen. Dort zerstaubt das Wasser dann zu Millionen kleinster Tröpfchen und legt sich als weiße Schneepracht auf die Hänge.

Redaktion: Konrad, welche bzw. wie viele Beschneiungsanlagen gibt es in der Skiarena Steibis und wie viele Pistenkilometer können dort beschneit werden?

Imbergbahn im Winter
Imbergbahn im Winter
Konrad Höss: Auf den insgesamt 18 Pistenkilometern im Skigebiet Imbergbahn/Skiarena stehen mittlerweile 50 Schneekanonen sowie 50 fest installierte Schneelanzen. Wir können bei Bedarf nahezu das komplette Skigebiet beschneien, vorausgesetzt die Bedingungen dafür passen. Im Vergleich dazu: Im gesamten Allgäu sind es etwa zwei Drittel der Skipisten, auf denen eine technische Beschneiung möglich ist und auf ganz Bayern gesehen nur ein Viertel.

Redaktion: Welche Voraussetzungen braucht man, um technischen Schnee herzustellen?

Konrad Höss: Zum Beschneien braucht es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und eine geringe Luftfeuchtigkeit. Entscheidend ist dabei nicht die Großwetterlage, sondern vielmehr das Mikroklima in unserer Region. Wenn die Nächte kalt genug sind, kann tagsüber die Sonne scheinen, soviel sie will. Ideal sind Temperaturen ab minus 4 Grad und trockener Luft. Bei Plusgraden dagegen geht leider gar nichts. Und chemische Stoffe, um den Gefrierpunkt zu verändern, wollen und dürfen wir dem Wasser nicht zusetzen. Schließlich wird der technische Schnee im Frühling wieder zu Wasser.

Redaktion: Gibt es Regularien, in welchem Zeitraum des Jahres beschneit werden darf?

Konrad Höss: Ja, die gibt es. Eine technische Beschneiung ist nur zwischen dem
1. November und 15. März erlaubt. Wenn wir im November/Dezember eine ordentliche Grundlage geschaffen haben, dann ist das Skivergnügen für die ganze Saison so gut wie gesichert. Allerdings braucht es vorher erst einmal einige Tage mit Minusgraden, damit der Boden gefriert. Wenn dann genug Schnee als Grundlage vorhanden ist, legen wir nach und nach auch Depots am Rand der Pisten an, auf die wir später zurückgreifen können.
Der Schneimeister Konrad Höss vor der Schneekanone
Der Schneimeister Konrad Höss vor der Schneekanone

Redaktion: Wie produktiv bzw. effektiv sind die Schneekanonen und -lanzen eigentlich?

Konrad Höss: Wenn die Winterluft entsprechend kalt und trocken ist und das Wasser in den Staubecken weniger als 2 Grad beträgt, dann legen wir los. Jede unserer mobilen Schneekanonen verteilt bis zu 20.000 Liter Wasser pro Stunde als kleinste Schneekügelchen auf den Hang. Die zwölf Meter langen Lanzen schaffen 15.000 Liter. Aus 1000 Liter Wasser, also einem Kubikmeter, werden rund 2,5 Kubikmeter Schnee produziert. Bei der Grundbeschneiung im Frühwinter wird der Schnee anschließend mit den Pistenraupen zu einer etwa 30 Zentimeter dicken Auflage über die Pisten verteilt. In der Vergangenheit reichten rund 150 Schneistunden im November schon aus, um mehr als 100 Wintersporttage in der Skiarena zu sichern.

Redaktion: Schadet der technische Schnee denn nicht dem Untergrund?

Konrad Höss: Nein, das tut er nicht. Der Vorteil von technischem Schnee gegenüber dem Naturschnee ist, dass er deutlich kompakter und stabiler ist. Das schont wiederum den Boden und hält den Belastungen der vielen Skifahrer über die Saison besser stand. Für dasselbe Ergebnis müssen Pistenraupen etwa einen Meter Naturschnee verdichten.

Redaktion: Dann steht der Skisaison 2018/19 also nichts mehr im Wege?

Konrad Höss: Bei uns geht zwischen Weihnachten und Ende März immer was. So war es in den letzten 15 Jahren und so wird es bestimmt auch in diesem Winter sein.

Dann dreht sich Konrad um, bereit für den Aufbruch. „Bald könnte es kalt genug sein, um es schneien zu lassen“, zwinkert er zuversichtlich. „Ich muss los – es gibt noch viel zu tun!“ Eine kurze Verabschiedung und schon braust er ab Richtung Berg. In den nächsten Wochen wird er mit seiner Mannschaft alles daran setzen, den Skihasen und Pistenfüchsen zum Saisonbeginn am 21. Dezember optimale Pistenbedingungen zu liefern.

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