Klausen und Bärbele vom Schellekneacht e.V. Oberstaufen © Schellekneacht e.V. / Martin Hehle
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Traditionelles Bärbele- und Klausentreiben

Traditionelles Bärbele- und Klausentreiben

am 03.12.2019 von Katharina Klawitter

Jedes Jahr treiben Anfang Dezember wilde Geschöpfe ihr Unwesen in Oberstaufen und dem gesamten Allgäu. Am 5. und 6. Dezember findet in zahlreichen Gemeinden das traditionelle Klausentreiben statt, so auch in Oberstaufen.

gelebtes Brauchtum: Bärbele- und Klausentreiben © Schellekneacht e.V. / Martin Hehle
gelebtes Brauchtum: Bärbele- und Klausentreiben
Bärbele und Klausen vom Schellenkneacht e.V. © Schellekneacht e.V. / Martin Hehle
Bärbele und Klausen vom Schellenkneacht e.V.
Klausentreiben in der Vorweihnachtszeit © Schellekneacht e.V. / Martin Hehle
Klausentreiben in der Vorweihnachtszeit
Klausen und Bärbele vom Schellekneacht e.V. Oberstaufen © Schellekneacht e.V. / Martin Hehle
Klausen und Bärbele vom Schellekneacht e.V. Oberstaufen

Die Tradition, bei der sich ledige junge Burschen mit Tierhäuten, Fellen, Masken und lauten Kuhschellen verkleiden, geht auf einen heidnischen Brauch zurück. In dem die teils furchteinflößenden Gestalten nachts durch die Ortschaften, Straßen und Gassen polterten, sollten finstere Gesellschaften erschrocken und vertrieben werden. Den winterlichen Dämonen wurde so vorgegaukelt, dass bereits andere Geister in den Dörfern ihr Unwesen trieben.

Die Bärbele, das weibliche Pendant zu den Klausen, jagen bereits einen Tag früher durch die Straßen. Am Barbaratag, dem 4. Dezember, verkleiden sich junge und unverheiratete Frauen mit Moosmasken und verteilen Hiebe an junge Burschen. Hintergrund für diesen Brauch sind Erzählungen, wonach die Heilige Barbara von ihrem Vater gefoltert und von den Burschen mit dem Ruf „liederliche Bärbel“ von den Straßen vertrieben worden sei. Jedes Jahr am 4. Dezember nehmen die Stellvertreter der Heiligen Barbara, die Bärbele, so Rache für das Leid, das ihrer Schutzpatronin angetan wurde.

Heutzutage ist der alte Brauch wieder fest in den einzelnen Gemeinden verankert und so finden vom 4. bis 6. Dezember jedes Jahr aufs Neue die traditionellen Klausen- und Bärbeletreiben statt. Vor allem Kinder machen sich einen Spaß daraus die Klausen und Bärbele ein wenig zu triezen oder ihnen hinterherzujagen. Die Erwachsenen stehen meist bei einer Tasse warmem Glühwein oder Punsch in sicherem Abstand und schauen dem lautstarken Treiben zu.

Doch wer jetzt denken mag, dass es beim Klausentreiben nur um Hiebe verteilen geht, irrt gewaltig. Aus diesem Grund haben wir uns mit Andreas Schock, 1. Vorstand vom Klausenverein „Schellekneacht e.V.“ in Oberstaufen, getroffen.

Andreas, die Klausen und Bärbele schauen teilweise richtig schaurig aus. Kannst Du uns die Besonderheiten des „Klauseng´wands“ näher erklären?
Andreas: Ein jedes „G`wand“, oder auch „Häs“ wie wir sagen, ist ein Unikat. Grundsätzlich besteht es aus einem Oberteil, einer Hose, dem Helm sowie den Schellen. Hier sind, unter Vorgabe mancher Kriterien und Richtlinien. der Gestaltung der einzelnen Gewänder aber keine Grenzen gesetzt. Jedes Mitglied darf selbst entscheiden wie viele Schellen er verwendet, welche Verzierungen, beispielsweise durch Hörner oder Geweihe, er an seinem Helm vornimmt oder für welche Farbe und Länge der verwendeten Tierfelle er sich entscheidet. Wir legen Wert darauf, dass jeder „Kloas“ sein Häs selbst näht – und das mit der Hand. Natürlich stehen die älteren Mitglieder mit Rat und Tat zur Seite, aber nur durch die eigene Handarbeit verinnerlicht sich bei jedem die Besonderheit des G´wandes. Alles in allem dauern die Arbeiten zwischen 15 und 20 Stunden.

Bei den Bärbele sieht die Sache ein wenig anders aus. Für ihre Maskerade wird zunächst eine Gipsmaske hergestellt. Diese wird dann mit Moos und zum Beispiel Tannenzapfen-Samen beklebt. Auch hier darf jedes Bärbele sich selbst verwirklichen, so kommt die Maske nicht selten auf 6 – 7 Arbeitsstunden. Neben dem Kopftuch und der Moosmaske runden eine Strickjacke, ein altes Dirndl oder Kleid sowie Wollstulpen und Bergschuhe das Outfit ab.

An welchen Tagen und Gelegenheiten führt Ihr Euer „Häs“ aus?
Andreas: Wir sind natürlich alljährlich beim Klausentreiben vom 4. bis 6. Dezember dabei. Hier unterstützen wir die Klausen und Bärbele der Fahnensektion Oberstaufen. Das ist der Verein, der die Traditionsveranstaltungen im Ort bewahrt, so zum Beispiel auch den Fasnatziestag. Wenn am 6. Dezember der Heilige Nikolaus an den Kirchplatz in Oberstaufen kommt, geleiten wir ihn als seine Helfer und verteilen an die artigen Kinder Nüsse, Mandarinen und Klausengebäck. Die frechen Kinder bekommen einen Hieb mit der Weiderute. Für unsere Ruten verwenden wir 3 bis 4 dünne Weidenäste und binden diese mit Klebeband oder mit einem dünnen Strick zusammen. Je nach Körpergröße können die Ruten bis zu zwei Meter lang werden.

Hauptsächlich beteiligt sich unser Verein an diversen Klausenumzügen, die in der näheren und weiteren Umgebung stattfinden.

Was uns allerdings besonders am Herzen liegt, sind die Hausbesuche rund um den Nikolaustag. Hier kommen meist ein oder zwei Klausen nach Voranmeldung in die Haushalte der Staufner Familien. Wenn es dann an der Türe klingelt und die „Kloasen“ durch die Türe treten, führt das nicht selten zu mucks-mäuschen-stillen Kindern. Anschließend werden tadelnde oder lobende Worte über die Kinder vorgetragen und kleine Geschenke verteilt. Bereits als ich ein kleiner Bub´ war, kamen die „Kloasen“ zu meiner Familie und ich erinnere mich gerne daran zurück.

Was macht für Dich die Besonderheit vom „Schellekneacht e.V.“ aus und worauf achtest Du als Vorstand besonders beim Vereinsleben?
Andreas: Zu allererst ist es die besondere Gemeinschaft, die wir haben. Jeder ist für jeden da, alle helfen zusammen und wir sind wie eine große Familie. Bei uns herrscht ein respektvoller Umgang untereinander, darauf legen wir großen Wert und das vermitteln wir auch den jüngeren Mitgliedern. Durch unser reges Vereinsleben haben wir Aufgaben zu bewältigen, bei denen jeder über sich hinauswachsen kann und gefordert wird. Trotzdem bleibt der Spaß bei uns nicht auf der Strecke. Wir sitzen gerne in der Gruppe zusammen, auf ein, zwei Bierchen oder beim Grillen, und genießen das Miteinander. Ein jeder von uns ist stolz, dass wir Teil der Gemeinschaft und unseres Vereines sind. Wir hoffen, dass es unseren Verein noch lange Jahre gibt, und dass mein Sohn und die Kinder der anderen Gründungsmitglieder irgendwann stolz sagen: „Das haben unsere Eltern erschaffen!“

Neugierig geworden? Dann erlebe den traditionellen Brauch rund um das Bärbele- und Klausentreiben doch hautnah!

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