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Schumpen, Schellen und Scheidplatz: der Viehscheid in Oberstaufen

Schumpen, Schellen und Scheidplatz: der Viehscheid in Oberstaufen

am 06.09.2018 von Katharina Klawitter

Es ist wieder so weit: der Bergsommer endet mit tosendem Geläut, wenn mehr als 1.200 Stück Jung- und Milchvieh ins Tal getrieben werden. Im September erlebt man bei den Alpabtrieben vielerorts echtes Allgäuer Brauchtum...

Auf den Weg ins Tal zum Viehscheid Oberstaufen
Auf den Weg ins Tal zum Viehscheid Oberstaufen

...aber kaum nirgendwo sonst ist der Viehscheid so besonders, wie im heilklimatischen Schrothkurort Oberstaufen.

Nachdem das Vieh im Frühsommer auf die Hoch- und Alpweiden getrieben wurde, dort rund 100 Tage verbracht und sich den Bergsommer über mit feinen Kräutern und saftig grünem Gras gestärkt hat, wird es ab Anfang/Mitte September wieder Zeit, in die heimischen Ställe zurück zu kehren.

Auf den Weiden im Alpgebiet findet sich sowohl Galtvieh (= Vieh, noch keine oder bis zur nächsten Kalbung keine Milch gibt) als auch Kühe (= weibliches Hausrind nach dem ersten Kalben) und Schumpen (= weibliche Jungtiere bis zu einem Jahr). Als Kalb oder Kälble bezeichnet man die Tiere nach der Geburt in den ersten Monaten. Und wer sich gar nicht auskennt, benutzt am besten den Begriff Rind - das passt generell für alle muhenden Tiere im Allgäu, unabhängig von Alter und Geschlecht.

Der Viehscheid

Echtes, gelebtes Brauchtum fasziniert jedes Jahr aufs Neue, wenn bereits frühmorgens das erste leise Gebimmel zu hören ist und sich nach und nach in ohrenbetäubendes Schellengeläut verwandelt. Der Anblick, wenn die kleinen und großen Herden an einem vorbeiziehen, ist Jahr für Jahr wahrlich imposant. Die Strapazen und Anstrengungen sind den Hirten und „Treibern“ anzusehen, denn nicht selten sind diese bereits in der Nacht aufgebrochen, um den Weg hinab ins Tal bei teils herausfordernden Wegbeschaffenheiten zu absolvieren.
Hirten treiben die Herden ins Tal beim Viehscheid
Hirten treiben die Herden ins Tal beim Viehscheid
Ist der Alpsommer ohne Verlust eines Tieres von statten gegangen, so führt ein Rind – das prächtig geschmückte Kranzrind – mit herrlichem Kopfschmuck, der u.a. mit Kräutern und Blumen verziert ist, die Herde an. Am Scheidplatz wird die Herde "geschieden", d.h. an ihre jeweiligen Besitzer verteilt und zurück gegeben.

Ein buntes Spektakel mit Festzelt, Blasmusik, Speis und Trank, der beliebten Schellenverlosung sowie zünftige Stimmung mit Live-Musik runden den beliebten „Feiertag“ ab.

→ Mehr Informationen zum Viehscheid


Viehscheid-Lexikon – wie gut kennst Du Dich aus?


ALLGÄUER BRAUNVIEH:
Das Allgäuer Braunvieh ist ein Markenzeichen für unser Land. Es ist gesund und schön, hat Charakter und seiner gesellschaftlichen Stellung gemäß gewisse Vorrechte. Das Rindvieh hat hier die ältesten Rechte, und die gilt es auch in der Hektik des 20.Jahrhunderts zu respektieren.
Traditioneller Alpabtrieb im September
Traditioneller Alpabtrieb im September
ALPE:
sind Bergweiden inklusive der entsprechenden Unterkünfte für Hirten und Vieh (Alphütte mit Ställen). Diese sind nur während der Sommermonate bewirtschaftet. Das Wort Alpe ist eine Umschreibung des Begriffes "Bergweide" und wird in ehemals allemanisch-schweizerischen Regionen wie dem Allgäu gebraucht. Im bajuwarischen Gebieten wie Oberbayern wird der Begriff "Alm" benutz. Die Bedeutung dieser beiden Begriffe ist aber identisch.

GALTVIEH:
Vieh, das noch oder vorübergehend keine Milch gibt.

GLOCKE:
Im Gegensatz zur blechernen Schelle wird die Glocke, die kleiner ist und gegenüber der Schelle heller klingt, in einem Stück gegossen. Ihr Ursprung ist in der Schweiz zu suchen. Im Oberallgäu verbreitet ist eher die Schelle.

KALB:
Ein circa halbes Jahr altes Rind.

KRANZ:
Der Kranz wird mit viel Liebe aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern in Form einer Krone geflochten. Meist enthält er ein Kreuz, für Schutz des Himmels sowie einen Spiegel und Glocken zur Abwehr böser Geister.
Kleiner Hirtenjunge am Viehscheid
Kleiner Hirtenjunge am Viehscheid

KRANZRIND:
festlich geschmücktes Rind, das die Herde beim Alpabtrieb anführt, wenn während des Sommers keine Viehverluste zu beklagen waren.

KUH:
Weibliches Rind das mindestens einmal gekalbt hat und somit Milch produziert.

OCHSE:
Kastriertes männliches Rind, heute hauptsächlich zur Fleischproduktion gehalten.

RIND:
Eines der ältesten Haustiere des Menschen. Heute wird oft das weibliche Jungrind gemeint.

SCHEIDPLATZ:
Platz auf dem die Herden nach dem Alpabtrieb wieder auseinander geschieden und an ihre Besitzer zurückgegeben werden.
Viehscheid Oberstaufen mit Kranzrind
Viehscheid Oberstaufen mit Kranzrind
SCHELLE:
Große, aus Schwarzblech gefertigte, Kuhglocken. Sind nötig, um bei schlechten Sichtverhältnissen das Rind wieder zu finden (verlaufen, verstiegen, Zaun durchbrochen).

SCHUMPEN:
Ein weibliches Jungvieh.

SENNALPE:
Alpe, auf der Kühe gehalten werden, deren Milch vom Senn noch direkt vor Ort verarbeitet (= Käseherstellung) wird.

STIER:
Ein männliches, nicht kastriertes Rind, auch "Bulle" genannt.

VIEHSCHEID:
Rückgabe der einzelnen Tiere aus den Herden, die den Sommer auf der Alpe verbrachten, an ihre Besitzer; findet auf dem sogenannten Scheidplatz statt.
Der Hirte kennt „sein" Vieh und ruft den Namen des Bauern auf, dem dieses Stück Vieh gehört. Er scheidet (trennt) das Vieh aus.

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