24h Trophy - Und los geht´s © Jürgen Waffenschmidt
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24 Stunden Trophy in Oberstaufen - Sonja Stöhr aus Steibis war dabei!

24 Stunden Trophy in Oberstaufen - Sonja Stöhr aus Steibis war dabei!

am 03.08.2016 von Christian Fischer

Eine Wanderung über 24 Stunden am Stück, warum sollte man so etwas freiwillig machen? Genau das hat sich Teilnehmerin Sonja Stöhr gedacht und Ihre Gedanken dazu in einem Blog-Beitrag zusammengefasst.

Ich weiß nicht genau, was ich mir dabei gedacht habe...
Jedenfalls habe ich mich für die 24 Stunden Trophy in Oberstaufen im Allgäu angemeldet. Für eine Frau, die:

  • ...walkt, aber höchstens eine Stunde am Tag...
  • ...in die Berge geht, aber nicht regelmäßig...
  • ...so weit weg ist von der Idealfigur wie das Allgäu vom Meer...
  • ...die eigentlich genügend andere Sachen in den 24 Stunden zu erledigen hätte...

ist das schon eine echte Herausforderung!

Ich habe mir sagen lassen, dass nicht alleine die Kondition und das Gewicht entscheidend, ob man die 24 Stunden durchhält oder nicht...! 8 Stunden sollte man in der Lage sein zu laufen, der Rest sei Kopfsache...naja dann schau ich mal was mein Kopf nach 8 Stunden so spricht...Jedenfalls gibt´s jetzt kein Zurück mehr, angemeldet bin ich, die Startgebühr ist bezahlt, mein Rucksack gepackt mit allem was so auf der Packliste steht und ich mach mir mittlerweile in die Hose! Ich habe soeben das "Roadbook" durchgelesen...61km, 3500 hm in 24 Stunden... "I hob doch echt an Vogel!!!" Die Nacht vor dem Morgen ist für mich nicht ideal gelaufen...abends noch Kässpätzle-Essen mit meinen Gästen auf dem Stöhrhof, eine Gästeehrung stand auch noch an, etwas Bier und Wein und relativ spät ins Bett und dann natürlich Kopfkino... Naja jedenfalls war die Nacht sehr kurz und schlaflos! Um 6 Uhr geht mein Wecker...ich war eh wach!...eine Dusche und zwei Tassen Kaffee später bin ich dann ansprechbar...rein in die Wanderschuhe, Rucksack auf den Buckel und los geht´s! In Oberstaufen am Kurpark tummeln sich schon einige mutige Wanderer... alle bestens gekleidet, sportlich durchtrainiert und irgendwie schauen alle so aus, als ob sie das nicht zum ersten Mal machen. Irgendwo am Rand sehe ich dann ältere Personen...mit denen kann ich sicher mithalten denke ich...also alles ok, ich werde nicht die letzte sein!

24h Trophy - Start

Nach letzten Infos und Vorstellung der Tourguides Eddy und Peter wird es nun ernst. Es ist kurz vor 8 Uhr...der Moderator zählt langsam von 10 - 0, der Bürgermeister schneidet das Band durch und für 150 "total gestörte Wanderer" beginnt die 24 Stunden Trophy von Oberstaufen...die Frau Stöhr mittendrin! Es geht recht gemütlich am Rand von Oberstaufen entlang bis nach Weißach. Hier schlängelt sich der Weg durch "Schumpenweiden" hoch nach Buchenegg und dann zur ersten Versorgungsstation am Hündle. Es ist schwülwarm, alle sind naßgeschwitzt und freuen sich auf die kleine Verschnaufpause...die wirklich kurz und bündig ist. Es geht weiter durch Feld und Wiese, Schotter und Teerstraße und schließlich ziemlich steil runter zu den Buchenegger Wasserfällen. Die Wassermassen rauschen hier in einer Falltiefe von 28m ins Becken. Alle sind begeistert von diesem Naturschauspiel, aber es geht auf der anderen Seite genau so steil wieder hoch! Während dem Wandern ergeben sich sehr nette Gespräche und ich muss erkennen...ich bin nicht die einzige die absolut keine Ahnung hat auf was sie sich hier einlässt!
Nun sind wir bereits in Steibis Allgäu. Wir marschieren zügig über den Tarzansteg und an der Weißach entlang bis zur Hochgratbahn- Talstation. Wir reden hier von 2,5 Stunden strammen Fußmarsch und ich freue mich wirklich auf das Mittagessen. Es gibt Gulaschsuppe mit Würstchen...mmmhh! Frisch gestärkt geht es dann weiter in Richtung Prodel und Denneberg - ein vorgelagerter Gebirgszug der Nagelfluhkette. Es wird immer schwüler und es zieht zu so das klar wird...Wir werden nass werden...! Keine 5 Minuten später beginnt es zu regnen...ok, es schüttet! Ich empfinde es als recht spannend...wird meine Regenjacke diesen Härtetest bestehen...ob der Rucksack wohl dicht ist...und meine Schuhe? Alle fragen kann ich eine Stunde später mit NEIN beantworten!

24h Trophy - Gemeinsam sind wir stark

Wir sind mittlerweile am Aufstiegspunkt zum Rindalphorn angekommen und der Guide Eddy beschließt wetterbedingt den Aufstieg nicht zu wagen. Uns kommen schon kleine Bäche entgegen...Wir marschieren durch das Ehrenschwanger Tal zurück zur Hochgratbahn-Talstation...1,5 Stunden Teerstraßen Fußmarsch in nassen Schuhen und noch nässeren Socken...ok, ich habe an beiden großen Zehen Blasen und denke das erste Mal an aufgeben...! Die ersten 8 Stunden laufen sind ja auch schon vorbei...also kommt jetzt mein Kopf ins Spiel! Angekommen an der Talstation beginnt allgemeines "trockenlegen"...! Irgendwie stehen plötzlich alle leicht bekleidet rum und munteres " einigermaßen trockene Sachen aus dem Rucksack suchen" beginnt. Die Stimmung ist im Keller und viele brechen hier die 24 Stunden Trophy ab...auch meine einzige Mitwandrerin aus Oberstaufen. Rosi hat die Schnauze voll...Ich habe das Glück das vorherige Gesprächspartner meine Situation mitbekommen. "Komm mit uns, du bist nicht allein!" Genau das brauche ich jetzt und ich marschiere mit Andrea aus dem Stuttgarter Raum und Urs aus der Schweiz, zwar traurig über Rosis Verlust, aber saumäßig glücklich nicht auch abgebrochen zu haben, den Alternativweg über die Alpe Schilpere und Oberstieg hoch zur Falkenhütte. Auf dem Weg dorthin wird klar warum die Besteigung vom Hochgrat und der Wanderweg "luftiger Grat" bis zur Falkenhütte viel zu gefährlich wäre.

Überall haben sich von dem starken Dauerregen kleine Bäche gebildet. Es ist rutschig und man muss wirklich aufpassen. Ich bin froh als ich gesund die Falkenhütte erreiche. Hier gibt es Abendessen...aber erst mal aus den nassen Sachen raus. Ich habe noch eine trockene Wanderhose und ein Langarmshirt im Rucksack, aber keine trocken Unterhose...Hmmm, das ist echt blöd! Egal...ich hab jetzt Hunger! Es gibt Gulasch, Nudeln und ein Salatbuffet vom Feinsten. Ich habe selten mit soviel Genuss ein Essen in mich hineingeschaufelt...Jetzt noch ein Tässchen Kaffee und die Frau Stöhr ist glücklich. Da ich die Hüttenwirtin persönlich kenne, werde ich mit trockenen Sachen versorgt...ich bin sooo dankbar! Mit trockenen Sachen am Leib, nassen und schweren Sachen im Rucksack, leider nassen Bergschuhen an den Füssen und einer Stirnlampe auf dem Kopf beginnt um 22 Uhr der Abstieg zum Hörmoos und dann weiter durch das Hädrichmoor bis zum Imberghaus. 2,5 Stunden Fußmarsch bei Finsternis...aber es hat aufgehört zu regnen. Die ersten schmeißen schon wieder die Jacken von sich, zippen die Hosenbeine ab und laufen im T-Shirt.

24h Trophy - Eine kleine Pause muss sein!

Angekommen im Imberghaus erwartet uns Live Musik, Kaffee und Zwetschgendatschi...! Wir sitzen in der warmen Gaststube und allgemeine Müdigkeit greift um sich. Auch ich werde davon befallen und verlasse deshalb fluchtartig das Haus. Draußen an der frischen Luft fange ich mich wieder. Nun geht es stetig bergab in Richtung Schindelberg, vorbei am Stöhrhof...( das ist richtig böse!)...und weiter zum Dreiländerblick. Drei Länder sehen wir zwar keine...dafür dann später die Bruder Klaus Kapelle in Hagspiel. Dort rasten wir kurz und machen uns dann bereit zum Abstieg nach Aach zum Gaukler. Um 4 Uhr gibt's dort Frühstück. Das brauche ich nicht...mir ist Schlaf wichtiger! Ich mache es mir auf dem Boden gemütlich...den Rucksack benutze ich als Kissen und Urs als Wecker und so erhole ich mich 10 Minuten von den Strapazen. "Ausgeschlafen" beginnt nun der Endspurt bei Morgendämmerung. Wir wandern kurz durch Österreich und erreichen dann die Eibele Wasserfälle... Sonnenaufgang inklusive!

Der letzte Anstieg beginnt! Ich habe echt müde Knochen, Blasen an den großen Zehen, keine Lust mehr...aber dafür einen Urs der mich vollquatscht! Ich glaube Urs ist meine letzte Rettung...!!! Irgendwie quatscht er mich die 1,5 Stunden hoch ins Paradies! Am Berghof am Paradies soll eine Bergandacht mit Alphornspielern stattfinden. Das perfekte Panorama inklusive Dreiländerblick, eine tolle Ansprache vom Pfarrer und das Alphornspiel dazu...ich vergesse fast das ich schon 23 Stunden auf den Beinen bin...aber nur fast! Ein kurzer Anstieg hoch zum Kapf und dann runter nach Oberstaufen.

24h Trophy - Blasmusik am Paradies

Um 8 Uhr morgens durchlaufe ich stolz die Ziellinie und kann es kaum glauben... Ich habe 24 Stunden 61 km und viele Höhenmeter tatsächlich ÜBERLEBT!
Sichtlich gerührt nehme ich meine Finisher-Urkunde in Empfang, haue mir noch das Weißwurst Frühstück in die Figur und verabschiede mich dann...das Bett ruft! Ich muss ja schließlich Schlaf nachholen...!

"Läufst du nächstes Jahr wieder mit?" fragt mein Mann hoffnungsvoll (vielleicht sagt sie ja nein!!!) "Frag mich in 2 Wochen wieder, wenn meine Blasen verheilt, die müden Knochen nicht mehr müde sind und ich körperlich wieder voll hergestellt bin!" so die äußerst kluge Antwort der Frau Stöhr!

24h Trophy - Geschafft...
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