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Mitarbeiterin: Yelena Glajcar

Kunst & Kultur in Oberstaufen: Kunstliebhaber Peter Scheu erzählt

3 Fragen an den
bentele-experten

24.11.2023Mein Oberstaufen

Bei einem Rundgang durch Oberstaufen fallen sie überall auf: Die Werke des Oberstaufener Bildhauers Fidelis Bentele. Gemeinsam mit seinem Adoptivsohn Georg Bentele-Ücker arbeitete Fidelis sein Leben lang in unserer Gemeinde und schaffte ein großes Erbe an Kunstwerken, darunter auch die drei sagenhaften Weihnachtskrippen. Diese drei Werke schreiben eine unglaubliche Geschichte "Wunder von Oberstaufen", welche wir in einem Blogbeitrag bereits erkundet haben. Um mehr über Fidelis und Georg sowie die Geschichte der Krippen zu erfahren, haben wir den Menschen gefragt, der die Werke kennt, wie kein Zweiter: Peter Scheu.

Bentele-Experte Scheu sitzt vor einem Werk des Bildhauers Bentele.

peter scheu

Kunstliebhaber & Bentele-Experte

Wie haben Fidelis Bentele und Georg Bentele-Ücker zusammengearbeitet?

Fidelis Bentele war bereits ein international bekannter Künstler, als er 1949 den 18-jährigen Georg Ücker kennenlernte, den er Jahre später sogar adoptierte. Georg hatte eine Holzbildhauer-Lehre bei Theo Bechteler und anschließend eine Ausbildung zum Steinmetz bei Emmerich Tapheimer in Augsburg absolviert. Fidelis selbst war als Fünfjähriger schwer erkrankt und bis zum 8. Lebensjahr nahezu vollständig gelähmt. Mit 9 Jahren hatte er sich ins Leben zurück gekämpft und als er seine Hände und Finger wieder bewegen konnte, begann er aus Knetmasse ansprechende Köpfe und Krippenfiguren zu modellieren. Dies war bereits Fingerzeig und Wegweiser für seine spätere künstlerische Laufbahn als Bildhauer. Mit dem jungen Georg verband ihn schnell eine fruchtbare Zusammenarbeit. Insbesondere bei monumentalen Werken, bei denen Fidelis meist die Werkskizzen anfertigte und Georg der ausführende Künstler war. Dass Georg nicht nur großdimensionierte, sondern auch äußerst filigrane Arbeiten anfertigen konnte, beweisen zahlreiche seiner Kunstwerke in der Bentele-Dauerausstellung im Heimatmuseum Beim Strumpfar.

Was fällt bei der Betrachtung der Werke besonders auf?

Bei nahezu allen Objekten fallen die in sich geschlossenen Figuren und Menschengruppen auf, bei denen auf jeden Zierrat verzichtet und das Wesentliche, die Körperhaltung, die Hände und das Gesicht, in dem sich alle menschlichen Regungen widerspiegeln, in den Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit gestellt wird. Als junger Bildhauer hatte Fidelis Bentele ein großes künstlerisches Vorbild. In Norddeutschland lebte und arbeitete der Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner Ernst Barlach, der in seinen Werken die Schlichtheit des einfachen Menschen meisterhaft zum Ausdruck brachte. Obwohl Fidelis mit den Jahren seine eigene Handschrift entwickelte, ist diese Inspirationsquelle bis heute in Benteles Werken zu erkennen.

Was ist mit den weih­nachts­krippen geschehen?

Ein Zeitungsartikel von 1958 gibt den Fund einer Bentele-Krippe bekannt.
Zeitungsartikel in der "GONG" von 1958

Nachdem die Geschichte von der dänischen Weihnachtskrippe durch verschiedene Publikationen in der nationalen und internationalen Presse im wahrsten Sinn des Wortes „Wellen“ geschlagen hatte, kam es im Herbst 2022 mit 65-jähriger Verspätung zu einer spektakulären Fortsetzung, als mich die Tochter eines verstorbenen Bentele-Verehrers anrief und erzählte, dass sie im Nachlass ihres Vaters unter anderem einen Artikel aus der Zeitschrift „GONG“ von 1958 gefunden habe, in dem von einem weiteren Krippenfund die Rede war.

Als ich dies hörte, wäre ich am liebsten sofort in den hohen Norden gefahren, um dieses unglaubliche Dokument selbst in Empfang zu nehmen. Aber das erledigte die Post für mich, die mir einige Tage später den unten stehenden Bericht in den Briefkasten warf:

Der Atlantik gab sie frei
Vor fünf Jahren sank die "Flying Enterprise" und das Bild ihres Kapitäns Carlsen ging durch die Blätter der Welt. Das Schiff war nicht mehr zu retten, ebenso wenig seine Fracht, über die heute noch viel Geheimnisvolles gemunkelt wird. Feststeht, dass die "Flying Enterprise" unter anderem drei Holzbildwerke des Oberstaufener Künstlers Fidelis Bentele an Bord hatte, die für amerikanische Freunde bestimmt waren. Lakonisch, geschäftsmäßig teilte die Bundespost Bentele mit, dass die Schnitzereien verlustig gegangen seien und er keine Ansprüche an die Post stellen könne. Dann hörte er lange nichts mehr von den Bildwerken. Fern, in Villa Franca, dem uralten Azorenhafen, jedoch hütete der Fischer José Melena einen wertvollen Schatz: Eine Krippendarstellung, die mit der "Flying Enterprise" versunken war und eines Tages als Treibgut von ihm aus dem Meer gefischt wurde!

Nur von der dritten Krippe fehlt bis heute jede Spur...

du möchtest mehr erfahren?

Dann lese mehr über das Wunder von Oberstaufen oder tauche selbst in die Welt von Fidelis Bentele in der Bentele-Ausstellung im Huimatmuseum "Beim Strumpfar" ein.

ZU DEN ÖFFNUNGSZEITEN

Über die Autorin
Social Media Managerin Yelena Glajcar

Yelena Glajcar

Die Poetin im Team setzt sich mit allen Themen auseinander, die Oberstaufen zu bieten hat. Als Content Managerin mit Schwerpunkt Social Media wittert sie überall eine gute Story, macht aus einfachen Themen besondere Geschichten in Wort und Bild – und weiß ganz genau, wie sie die Sehnsucht bei Fans und Followern weckt.