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Yelena Glajcar
Social Media und Content Managerin Yelena Glajcar im Porträt.

Gemeinsam
für den bergwald

Was die Jagd mit dem Klimawandel zu tun hat

Naturpark erleben

Die Jagd ist in der Kultur des Oberallgäus tief verwurzelt – ein Erbe, das über Jahrhunderte gewachsen und noch immer relevant ist. Im Rahmen eines ausgewogenen Wildmanagements sind die örtlichen Jagdgenossenschaften mit dafür verantwortlich, den Bergwald widerstandsfähiger für die Zukunft zu machen. Was genau es damit auf sich hat, haben wir von Jan Biebricher-Reicherzer, Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Aach, erfahren.

Jan Biebricher-Reicherzer

Jan Biebricher-Reicherzer

Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Aach

Wald mit Bachlauf bei den Eibele Wasserfällen.

Ruhig und tief liegt er da, der Bergwald. Rund 40 % des gesamten Gemeindegebiets Oberstaufens sind bewaldet. Der Wald ist nicht nur Rückzugsort für Mensch und Lebensraum für Wildtiere, als Wasser- und Kohlenstoffspeicher leistet er auch einen wertvollen Beitrag in Zeiten des Klimawandels. Schon ein kleiner Faktencheck macht schnell deutlich, dass unsere Wälder durch den jahrelangen Anbau wirtschaftlicher Monokulturen diese Funktion langfristig nur noch erschwert erfüllen. Die Antwort der bayerischen Forstverwaltung ist die sogenannte ‚Bergwaldoffensive‘. Deren oberste Priorität: Das Schaffen stabiler, klimaresistenter Mischwälder, was in konkreten Maßnahmen weitreichende Pflanzaktionen von Förstern und ein gut strukturiertes Jagdmanagement der Jäger erfordert.

Bei mehreren hunderten Privatgrundbesitzer allein im Gemeindegebiet Oberstaufen ist die Umsetzung jedoch leichter gesagt als getan. Die Erfahrung zeigt: Erfolge sind nur möglich, wenn Waldbesitzer, Förster und Jäger Zusammenarbeiten. Um das Ziel der Schaffung klimaresistenter Mischwälder zu erreichen, hat die Jagdgenossenschaft Aach vor einigen Jahren auf die Eigenbewirtschaftung der Jagd umgestellt. Das heißt, dass die Jagdgenossenschaft die Jagd in Eigenregie ausübt und dabei für die einzelnen Jagdbögen Jagderlaubnisse für die Jäger ausstellt. Die Stellung des Jagdpächters übernimmt ein angestellter Jagdleiter. Der Vorteil ist, dass der Jagdleiter direkt dem Jagdvorsteher unterstellt ist.

Allgäuer Bergwald erleben

Äußere Faktoren, wie immer milder werdende Winter, insgesamt weniger Niederschlag und das Fehlen natürlicher Feinde führen zur starken Vermehrung des Schalenwilds. Dies hat weitreichende Folgen für die Waldverjüngung. So sind die jungen Triebe, Zweige und Knospen der Waldpflanzen die süßen Lutschbonbons der Natur, welche durch das Schalenwild besonders gern wegknabbert werden, dies verursacht weitreichende Wildschäden. Genau an diesem Punkt setzt die Jagdgenossenschaft an und versucht das Gleichgewicht zwischen Wald und Wild wieder herzustellen.

Wildschäden: die 3 verschiedene Arten von Schäden

  • Verbiss: Junge Bäume, Sträucher und Kräuter werden abgefressen. Das behindert die natürliche Waldverjüngung oder führt im schlimmsten Fall zum Verschwinden seltener und verbissgefährdeter Baumarten (z.B. Weißtanne).

  • Schälen: Besonders das Rotwild schält die Rinde von stehenden Bäumen, um sie zu fressen. Dies führt zu Wachstumsverlusten, mindert die Holzqualität und erhöht die Gefahr von Pilzbefall und Windbruch.

  • Fegen und Schlagen: Rehböcke und Hirsche verursachen mit ihrem Gehörn und Geweih Schäden an jungen Bäumen, indem sie diese fegen oder schlagen.

Jan Biebricher-Reicherzer ist seit über 20 Jahren Jagdsvorstand. Er organisiert und managet den Jagdbetrieb, selbst jagt er nicht. Bei all der Organisationsarbeit fehle ihm schlichtweg die Zeit. Für jedes Jagdjahr werden in Absprache mit dem Landratsamt neue Ziele für den Schalenwildabschuss verhandelt. Für die Jagdgenossenschaft ist der Zustand der natürlichen Waldverjüngung hierfür die Grundlage. Für jeden Jagdbogen wird anhand verschiedener Faktoren festgelegt und vorgegeben, wie viel Stück Wild von welcher Art erlegt werden soll – und darf! Damit ist auch eine reine Trophäenjagd ausgeschlossen. „In den gesetzlichen Vorgaben heißt es außerdem: Die Waldverjüngung muss ohne künstliche Schutzmaßnahmen, wie z.B. Verbissschutz o.ä., möglich sein.“, erklärt Biebricher-Reicherzer. Das genaue Kontrollieren und Dokumentieren zahlt sich aus: So wurde Anfang des Jahres im Imberg-Gebiet eine erhöhte Verbiss-Belastung festgestellt, auf diese die Genossenschaft direkt reagierte und den Abschussplan entsprechend anpasste und erhöhte. Die Jagdgenossenschaft hofft mit diesem Konzept eine insgesamt tragbare Verbissbelastung an den jungen Waldpflanzen zu erreichen, wie bei der diesjährigen Vollversammlung der Genossenschaft vorgetragen wurde.

Erste Erfolge zeigen sich, darin ist sich der Jagdvorsteher sicher. „Wir sind auf dem richtigen Weg mit einer waldgerechten Schalenwildbejagung unseren Wald fit für Herausforderungen der Zukunft zu machen“.

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Über die Autorin
Social Media und Content Managerin Yelena Glajcar im Porträt.

Yelena Glajcar

Die Poetin im Team setzt sich mit allen Themen auseinander, die Oberstaufen zu bieten hat. Als Content Managerin mit Schwerpunkt Social Media wittert sie überall eine gute Story, macht aus einfachen Themen besondere Geschichten in Wort und Bild – und weiß ganz genau, wie sie die Sehnsucht bei Fans und Followern weckt.